Vogelschutz im Winter: So helfen Sie richtig! Die Kreisgruppe des BUND gibt Tipps
Meisenknödel, Vogelkuchen oder Körnermischung – in vielen Gartenmärkten gibt es jetzt unzählige Artikel rund ums Vögel füttern. Doch wie sinnvoll ist die Vogelfütterung überhaupt? Eine geschlossene Schneedecke und Frost erschweren Vögeln die Futtersuche. Weil sie Vögeln helfen wollen, geben die Deutschen jedes Jahr Millionen von Euro für Körnerfutter oder Meisenknödel aus. Der BUND sieht die Vogelfütterung kritisch. Wenn überhaupt, sollte nur in harten Wintermonaten gefüttert werden. Vögel sind Wildtiere und auf das jahreszeitlich wechselnde Futterangebot eingestellt. Verluste im Winter werden oft schon in der nächsten Brutzeit wieder ausgeglichen. Zudem erreicht die Fütterung nur wenige, meist häufige Arten. Mit dem Erlebnis der Naturfreude ist schon der größte Effekt des Vogelfütterns benannt. Einige Gartenvögel, die in sterilem Siedlungsgrün kaum noch Nahrung finden, profitieren von der Fütterung. Selten oder gefährdet aber ist kaum eine der Arten, die den Garten oder Balkon aufsuchen. Die Futterstellen werden also vor allem von Vögeln genutzt, die das Futter eigentlich gar nicht brauchen.
(Foto: Walter Oppel)
Noch offen ist, ob das Füttern nicht auch Verlierer produziert. Ein Zuviel kann das ökologische Gleichgewicht ins Wanken bringen: So nehmen etwa Kohlmeisen das angebotene Futter viel leichter an als andere Arten und entsprechend überleben mehr Kohlmeisen als unter natürlichen Bedingungen. Sie treten im Frühjahr in Konkurrenz mit Vogelarten, die die gleichen Futter- und Nistansprüche haben. Wenn beispielsweise der Trauerschnäpper und der Gartenrotschwanz spät aus dem Süden heimkehren, sind die Nisthöhlen längst von wohlgenährten Meisen besetzt.
Sinnvoll ist das winterliche Füttern vor allem, wenn es dazu dient, Kinder am Vogelhäuschen mit unserer vielfältigen Vogelwelt vertraut zu machen. Auch dann aber sollte man maßvoll füttern und die Futterstelle und auch Vogeltränken regelmäßig säubern, damit sie sich nicht zu einem Infektionsherd entwickelt.
Kleine Futterbretter mit Dach, freistehende Futterhäuschen oder ein Futtersilo sollten so platziert werden, dass Katzen keine Deckung finden, damit sie nicht zur tödlichen Falle für die Vögel werden.
Schließlich muss darauf geachtet werden, dass man kein Körnerfutter mit Samen des – für uns Menschen – hoch allergenen Traubenkrauts (Ambrosia) kauft, das sich derzeit aggressiv in der Natur ausbreitet. Ebenfalls dürfen keinesfalls gesalzene oder gewürzte Essensreste verfüttert werden: Sie können für Vögel tödlich sein. Meisenringe & Co. sind nicht grundsätzlich verkehrt, bietet das Füttern eine gute Möglichkeit zum Naturerleben und Kennenlernen der unterschiedlichen Vogelarten. Meisenknödel im Plastiknetz sollten nicht verwendet werden, da kleine Vögel sich im Plastik verheddern und sterben können. Zusätzlich landet das Plastiknetz meist in der Umwelt und baut sich dort nicht ab.
(Foto: Walter Oppel)
Nachhaltiger kann man Vögeln helfen, wenn man im Herbst Gartenstauden stehen lässt, heimische Gehölze pflanzt und Kompost- oder Laubhaufen anlegt. So werden Nischen für Insekten, die auf dem Speiseplan von zum Beispiel Zaunkönig, Amseln oder Rotkehlchen stehen, geschaffen. Davon profitieren weit mehr Arten als von Vogelfutter.
Wenn überhaupt, so sollte man nur in harten Wintermonaten Futter anbieten.