Erdkröten auf der Wanderschaft zum Laichgewässer (Foto: BUND)
Erdkröten auf der Wanderschaft zum Laichgewässer (Foto: BUND)

Der BUND bittet um Vorsicht: Die Amphibienwanderungen haben begonnen

 

Bereits sehr früh in diesem Jahr haben milde Temperaturen die ersten Frösche, Kröten und Molche aus ihren Winterverstecken gelockt: Es ist Paarungszeit. Und damit auch die Zeit der „Krötenwanderung“. Die Kreisgruppe des BUND bittet Autofahrerinnen und Autofahre um Rücksicht.

 

Der Straßenverkehr trägt neben anderen Ursachen dazu bei, dass die Amphibienbestände auch bei uns in der Grafschaft rückläufig sind. Zahlreiche Amphibien finden bei ihren jährlichen Wanderungen zwischen Winterquartier, Laichgewässer und Sommerquartier den Straßenverkehrstod. Etliche Wanderrouten werden von Amphibien jedes Jahr wieder genutzt, auch wenn diese über eine Straße führen. Vor allem Amphibienarten mit einer engen Bindung an ihr Laichgewässer - sie zählen zu den sog. „Traditionslaichern“ (z. B. Erdkröte, Grasfrosch) - verhalten sich entsprechend. Diese Gefährdung besteht, obwohl die heimischen Amphibienarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) „besonders“ und auch „streng“ geschützt sind.

 

Besonders geschützte Amphibienarten sind Feuersalamander, Bergmolch, Fadenmolch, Teichmolch, Erdkröte, Grasfrosch, Teichmolch und Seefrosch.

 

Zu den besonders und gleichzeitig streng geschützten Amphibienarten zählen Kammmolch, Geburtshelferkröte, Wechselkröte, Kreuzkröte, Laubfrosch, Moorfrosch, Springfrosch, Kleiner Wasserfrosch und Gelbbauchunke.

 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Amphibien vor dem Straßentod zu schützen. Dabei geht es nicht um einzelne Amphibien, sondern um Amphibienpopulationen, deren Wanderweg zum Laichgewässer von einer Straße gekreuzt wird.

 

Sogenannte Amphibienschutzzäune stellen provisorische Schutzanlagen dar. Bei den Zäunen handelt es sich um meist 50 cm hohe undurchsichtige Kunststofffolien, die parallel zur Straße aufgebaut werden. Auf der Anwanderungsseite sind ebenerdig in regelmäßigen Abständen Fangeimer eingegraben. Die gefangenen Amphibien werden dann von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern auf der gegenüberliegenden Seite oder am Laichgewässer selber wieder ausgesetzt. Zur Betreuung eines Krötenzauns ist mindestens täglich eine Kontrolle mit Leerung der Fangeimer notwendig.

 

Zudem weisen entsprechende Schilder auf Amphibienwanderungen hin: Auch mit Tempolimit 30 können Amphibien auf ihren Wanderstrecken geschützt werden. Schnellere Autos können nämlich Amphibien, die sie nicht überrollen, durch den entstehenden Luftdruck töten. Die Amphibien sterben dann am sog. Barotrauma – ihre Lungen platzen durch die starken Luftdruckschwankungen. Bei Tempo 30 ist die Druckwelle so schwach, dass die Tiere überleben.

 

Der BUND bittet die Autofahrerinnen und Autofahrer deshalb darum, im Frühjahr Rücksicht auf wandernde Amphibien zu nehmen: Bitte beachten Sie auf entsprechenden Strecken die Hinweisschilder – vor allem in warmen, regnerischen Abend- und Nachtstunden.

 

Bitte melden Sie Stellen, an denen zahlreiche Amphibien überfahren werden, an den BUND unter der Tel.-Nr. 05923/4161 (info@bund-grafschaft-bentheim.de) oder kontaktieren Sie die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Grafschaft Bentheim, so dass gegebenenfalls geeignete Schutzmaßnahmen eingeleitet werden können. 

 

 2 Große Abendsegler (Foto: Dr. R.Keil, BUND)

 

Es wird nicht einfach nur ein Baum gefällt...

 

Seit einiger Zeit ist die Baumfäll- und Baumpflegesaison - gerade auch im kommunalen Bereich - in vollem Gange. Damit bei den Arbeiten keine Fledermäuse zu Schaden kommen, bittet die Kreisgruppe des BUND Bauhöfe wie Privatpersonen dringend um Beachtung wichtiger Hinweise zum Fledermausschutz bei Baumfällungen und Baumpflegemaßnahmen.

 

Baumfällungen und Baumpflege stellen für baumbewohnende Fledermausarten die größte Gefahr dar. Fledermäuse senken ihre Körpertemperatur während des Schlafes ab, deshalb können sie bei Gefahr nicht einfach wegfliegen wie ein Vogel. Sie brauchen ca. 5 bis 10 Minuten, bevor sie ihren Körper auf Flugtemperatur gebracht haben, im Winterschlaf sogar noch länger.

 

Somit haben sie keine Chance, bei einer Baumfällung / Baumpflege zu entfliehen. Oft werden Tiere lebendig zersägt, Splitter dringen tief in ihre Körper, es kommt zu Quetschungen und Knochenbrüchen. Wenn nicht sofort fachkundige Hilfe vor Ort ist, können bei einer Baumfällung Hunderte von Fledermäusen zu Tode kommen.

 

Verletzte Tiere verenden oder sind Fressfeinden hilflos ausgeliefert, wenn keine schnelle medizinische Hilfe vor Ort ist. Schnelle medizinische Hilfe setzt voraus, dass Personen, die die Fällungen vornehmen, den entsprechenden Regionalbeauftragten für Fledermäuse sofort informieren, dann auch sofort eine Gruppe Helfer bereitsteht und im weiteren Verlauf Tierärzte die Versorgung der Tiere übernehmen. Anschließend müssen die Tiere bis zur Genesung versorgt werden, sie müssen Flugtraining erhalten, um wieder fit zu werden und dann am Fundort wieder ausgewildert werden, wenn nicht gerade Winter ist. In diesem Fall dann muss den Tieren ein adäquates betreutes Winterquartier zur Verfügung gestellt werden.

 

Die dringende Bitte des BUND: Steht man vor der Entscheidung, einen Baum zu fällen, sollte man beachten, dass man einen alten Baum nicht einfach durch einen neuen ersetzen kann. Bis ein junger Baum einen adäquaten Quartierersatz für zahlreiche Tierarten, u.a. die Fledermäuse darstellt, vergehen mehrere Jahrzehnte...

 

Bevor man dann doch einen Baum fällt / pflegt (oder fällen / pflegen lässt), sollte dieser fachkundig auf Höhlen und diese mit einem Endo­skop auf Fledermäuse untersucht werden. Fledermäuse können ebenfalls in Rindenspalten schlafen, daher sollten auch Rindenspalten kontrolliert werden. Gleiches gilt auch für größere Baumpflegemaßnahmen, weil sich in dickeren Ästen Hohlräume befinden können. Wichtig zu wissen ist auch, dass selbst große Arten wie der Große Abendsegler bereits in sehr dünnen Bäumen ein Quartier finden können.

 

Die Erhaltung und die Schaffung von Fledermausquartieren ist eine der wich­tigsten Aufgaben des Artenschutzes. Dabei ist zu beachten, dass künstliche Quartiere keinen Ersatz für natürliche Quartiere darstellen, sondern lediglich als Ergänzung dienen. Der Erhalt natürlicher Quartiere ist daher weiterhin von großer Bedeutung!

 

Weitere Infos unter https://www.bund-grafschaft-bentheim.de/tipps/

 

 

 

 

 

 

 

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