Grünes Klassenzimmer in Schüttorf eröffnet
Neues Naturlernangebot für Kitas und Schulen dank Förderung der BINGO Umweltstiftung und LEADER
Ein neuer außerschulischer Lernort für Umweltbildung ist entstanden: Im Waldgebiet neben dem Annaheim in Schüttorf wurde jetzt ein „Grünes Klassenzimmer“ offiziell eröffnet. Das Projekt wurde vom KreisSportBund Grafschaft Bentheim e.V. initiiert und gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus der Region erfolgreich umgesetzt.
Ausgangspunkt war der erstmals im Jahr 2025 durchgeführte „Grafschaft Run“. Die sportliche Mitmachaktion verband Bewegung mit konkretem Klimaschutz: Insgesamt legten rund 1.800 Teilnehmende in verschiedenen Bewegungsformen beeindruckende 200.000 Kilometer zurück – in knapp 28.000 Stunden. Dieses Engagement ermöglichte nicht nur die Aufforstung einer Waldfläche mit 2.000 Bäumen, sondern auch die Realisierung des Grünen Klassenzimmers am selben Standort.
„Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie Sport, Umweltbildung und gesellschaftliches Engagement zusammenwirken können“, betont Frank Spickmann vom KreisSportBund Grafschaft Bentheim e.V. „Aus einer gemeinsamen Bewegung ist ein nachhaltiger Lernort entstanden, der Kinder langfristig für Natur und Klimaschutz sensibilisiert.“
Das Grüne Klassenzimmer steht künftig Kindertagesstätten und Schulen kostenfrei zur Verfügung. Ziel ist es, Kindern unmittelbare Naturerfahrungen zu ermöglichen und Unterricht bewusst nach draußen zu verlagern. Pflanzen, Tiere und ökologische Zusammenhänge können hier praxisnah vermittelt werden. Gleichzeitig lädt der naturnahe Raum dazu ein, von den Kindern aktiv entdeckt und mitgestaltet zu werden.
Bestandteil des „Grünen Klassenzimmers“ ist zudem ein sogenannter Wildweiser. Ein kleiner, durch Hordengatter abgezäunter Bereich innerhalb der Waldfläche. Er veranschaulicht, wie sich die Vegetation ohne Wildverbiss entwickeln würde. Der direkte Vergleich zwischen dem geschützten Wachstum innerhalb des Wildweisers und dem ungeschützten Bereich außerhalb macht den Einfluss des Wildes auf die Vegetation deutlich.
Die Umsetzung des Projekts erfolgte in enger Zusammenarbeit mit regionalen Partnern: Die Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim unterstützte Planung und Umsetzung maßgeblich. Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Schüttorf stellte die Fläche zur Verfügung, während die Stadt Schüttorf für die Verkehrssicherung sorgt. Darüber hinaus brachte sich Walter Oppel vom BUND ehrenamtlich mit fachlicher Expertise und wertvollen Kontakten ein.
„Das Grüne Klassenzimmer ist ein wichtiger Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in unserer Region“, erklärt Paul Uphaus von der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim. „Kinder lernen hier nicht nur über Natur – sie erleben sie mit allen Sinnen. Das schafft ein Bewusstsein, das weit über den Unterricht hinauswirkt.“
Neben der Förderung durch die BINGO Umweltstiftung und LEADER-Mittel der EU wurde das Projekt zudem durch Eigenmittel sowie umfangreiche Eigenleistungen des KreisSportBundes Grafschaft Bentheim e.V., der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim, der evangelisch-reformierten Kirche sowie der Samtgemeinde Schüttorf ermöglicht.
Zukünftig steht interessierten Einrichtungen ein Online-Kalender zur Verfügung, über den sie die Nutzung des Grünen Klassenzimmers bei der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Schüttorf anmelden und einsehen können.
Von links nach rechts: Walter Oppel (BUND), Frank Spickmann (KreisSportBund Grafschaft Bentheim), Jan Stockhorst (Samtgemeinde Schüttorf), Kathrin Schmedt (LEADER-Regionalmanagement), Luisa Stülke (ArL Weser-Ems), Paul Uphaus, Lars Diekmann (beide Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim), Inga Groenke (LEADER-Regionalmanagement), Henning Kraft (ev.-ref. Kirche Schüttorf); Foto: KSB
Warum Mähroboter für Igel tödliche Gefahren darstellen und ein Nachtfahrverbot nötig ist
Mähroboter sind für Igel lebensgefährlich. Deswegen gilt in immer mehr Städten ein Nachtfahrverbot für Mähroboter. Die Kreisgruppe des BUND erklärt, warum die Mähroboter nicht nur Igeln schaden und regt an, auch in den Kommunen der Grafschaft Bentheim ein Nachtfahrverbot für Mähroboter einzuführen.
(Quelle: Walter Oppel)
Igel sind Mährobotern hilflos ausgeliefert, denn Igel sind keine Fluchttiere. Bei Gefahr stellen sie zwar ihr Stachelkleid auf, doch das schützt sie nicht gegen die scharfen und schnell rotierenden Klingen der Mähroboter. Die Verletzungen sind oft tödlich für Igel. Igel gelten im Bundesnaturschutzgesetz als besonders geschützt. Das heißt, sie dürfen weder gefangen, verletzt noch getötet werden.
Gesunde Igel sind nur in der Dämmerung oder Dunkelheit unterwegs. Die nachtaktiven Tiere sind dann auf der Suche nach Nahrung. Viele Gärtnerinnen und Gärtner lassen ihre Mähroboter aber vor allem am späten Abend oder nachts laufen, wenn sie selbst den Garten nicht mehr nutzen. Das ist für Igel besonders gefährlich. Doch auch wenn sie den Mähroboter ausschließlich bei Tageslicht fahren lassen, kann das für Igel tödlich sein. Kranke Igel oder Igelsäuglinge ohne Igeleltern sind auch tagsüber unterwegs.
Sie mähen schlicht alles weg, was auf dem Rasen blüht – und vernichten damit Nahrungsangebote für Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten. Wenn es weniger Insekten gibt, haben auch Igel weniger Futter. Sie weichen dann auf Schnecken aus. Das Problem: Schnecken übertragen häufig Parasiten auf Igel, die davon krank werden oder sogar sterben können.
(Quelle: Klaus Riesner/flickr.com/CC BY-NC 2.0)
Um Igel zu schützen, verhängen immer mehr Städte und Kommunen ein Nachtfahrverbot für Mähroboter. Der BUND appelliert nicht nur an die Hersteller, verstärkt technische Verbesserungen in der Produktion von igel- und kleintiersicheren Mährobotern und anderen motorisierten Gartengeräten voranzutreiben.
Der BUND fordert vielmehr ein generelles und bundesweites Nachtmähverbot für Mähroboter – 30 Minuten vor und nach Sonnenaufgang – um Kleintiere nachhaltig zu schützen.
Studien zeigen deutlich, dass Mähroboter insbesondere in den Nachtstunden für Igel, aber auch Amphibien, Frösche und andere Kleintiere oft eine tödliche Gefahr darstellen. Arten wie der Europäische Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) stehen bereits auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) und sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders zu schützen. Ein Nachtfahrverbot ist deshalb eine wirksame, notwendige und verhältnismäßige Schutzmaßnahme!
Die sechs wichtigsten Hinweise für die Gestaltung eines Gartens, der Igeln Lebensraum und Nahrung bietet, gibt es unter „Tipps“ in www.bund-grafschaft-bentheim.de.
Die Pflanzaktionen am 07. Februar 2026 in der Gemeinde Isterberg wurden initiiert vom Hegeverein Neerlage e. V. und der BUND Kreisgruppe Grafschaft Bentheim in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises.
Anlage einer Benjeshecke
Vorbereitende Arbeiten im Bereich der Bahnhofstraße in Isterberg: Pflege einer vorhandenen Hecke und Anlage einer Benjeshecke, die in erster Linie der Schaffung von Strukturen in einer weitgehend ausgeräumten Landschaft und in diesem Fall zur Vernetzung unterschiedlicher Biotope dient. In der Folgezeit können Gehölze durch „Ansamung“ durch Wind oder Vögel und anderen Tieren keimen und so für eine natürliche Begrünung sorgen. Die Reisighecke stellt auch bereits kurz nach ihrer Entstehung eine wichtige ökologische Funktion dar, indem sie vielen Tier- und Pflanzenarten die Möglichkeit bietet, sich zu entfalten: Igel, Wiesel, Spitzmäuse, Kröten, Frösche und Kleinvögel wie der Zaunkönig oder das Rotkehlchen entdecken diesen Lebensraum als Rückzugsort und Nistmöglichkeit.
Anpflanzung einer wegbegleitenden Hecke aus heimischen Sträuchern
Entlang eines vorhandenen Weges auf einem breiten Streifen, der sich im Eigentum der Gemeinde Isterberg befindet, wurde eine etwa 210 m lange Hecke im Dreieckverband mit 250 Weißdornen, Schlehen und Hundsrosen gepflanzt. Der Pflanzbereich wurde durch einen Zaun (Schnellzaun mit Z-Profilen) vor Verbiss geschützt.
Hecken aus heimischen Sträuchern haben eine zentrale Bedeutung für den Bodenschutz, die Biodiversität und den Biotopverbund und sind ökologisch wertvolle, robuste und pflegeleichte Alternativen zu Exoten, die Vögeln und Insekten nur wenig Nahrung und Lebensraum bieten: Blühende Sträucher bieten im Frühjahr Nahrung für die Insekten, Früchte und Beeren bis weit in den Winter hinein Nahrung für die Vögel. Insekten sind wiederum eine wichtige Nahrung für viele Vögel.
Der Rückgang der Artenvielfalt hängt eng mit dem Verlust geeigneter Lebensräume zusammen: Die einst typischen Wildhecken verschwinden zunehmend aus der Landschaft. Das Anlegen einer naturnahen Hecke kann dazu beitragen, Vögeln und zahlreichen anderen Tierarten einen wichtigen Lebensraum zu bieten.
Anpflanzung einer Obstbaumreihe am Isterberger Weg
Entlang eines Grabens pflanzten Mitglieder des Hegevereins Neerlage e.V. und des BUND eine ca. 270 m lange Reihe mit 33 hochstämmigen (Wild-) Obstbäumen. Die Eigentümerin der Pflanzfläche ist die Gemeinde Isterberg, die die Aktion begrüßt.
In der Grafschaft Bentheim waren bäuerliche Obstbaumanpflanzungen im Grünland mit hochstämmigen Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschbäumen früher noch häufiger zu sehen. „Allerdings sind sie in den letzten 40 Jahren durch die Ausweitung von Siedlungs- und Industrieflächen, die Umwandlung der Wiesen in landwirtschaftliche Flächen sowie die Vernachlässigung von Pflege und Nachpflanzung aus dem Landschaftsbild größtenteils verschwunden“, erklärt Walter Oppel, Vorsitzender der BUND Kreisgruppe Grafschaft Bentheim. „Seit vielen Jahren engagieren wir mit unserer ehrenamtlichen Arbeit für den Erhalt und die Pflege von Streuobstwiesen und freuen uns daher umso mehr, dass das Interesse an diesen Biotopen wieder steigt.“
(Foto: BUND)
Die Anpflanzung von Obstbäumen stellt einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Artenschutz dar: Für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten bilden sie einen Lebensraum, der in unserer Landschaft zunehmend seltener anzutreffen ist. Die angelegte Obstbaumreihe verbindet bestehende Biotope miteinander und leistet damit einen wichtigen Teil in einem Biotopverbundsystem mit anderen Landschaftselementen dar.
Gepflanzt wurden Wildobst sowie Hochstämme unterschiedlicher Apfel-, Birnen- und Kirschsorten.
„Die Aktion zeigt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für den Naturschutz ist. Am Tag der Pflanzung waren wir mit etwa 30 Personen beschäftigt. Schon der Transport der Materialien, die Vorbereitung der Fläche und die gesamte Organisation nahmen mehrere Wochen Vorarbeit in Anspruch. Das wäre ohne den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder und besonders der Landwirte mit ihren Gerätschaften gar nicht möglich“, schildert Jannik Heckmann, Vorsitzender des Hegevereins Neerlage e.V. „Dabei kommt auch der Spaß nicht zu kurz – und genau diese Mischung aus Gemeinschaft und sinnvoller Arbeit macht das Engagement in diesen Vereinen so attraktiv.“
(Foto: BUND)
Sponsoren
Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim
Seit 1999 setzt sich die Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim für den Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt im Landkreis ein. Ihr Fokus liegt auf dem Schutz und der ökologischen Aufwertung wertvoller Flächen – insbesondere entlang der Flüsse Vechte und Dinkel. Die Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim verbindet Naturschutz mit Bildung und praktischem Engagement: Durch Kooperationen mit regionalen Partnern werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene für die Natur vor ihrer Haustür begeistert. Ob Schulwälder, Naturschutzwochen, Pflegeaktionen in Heidegebieten oder praktische Kurse wie Obstbaumschnitt – die Stiftung schafft Begegnungen mit der Natur und fördert aktives Mitmachen.
Aktuell unterstützt die Stiftung die Pflanzaktion in Isterberg.
Paul Uphaus, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim:
„Die Pflanzaktion in Isterberg ist ein starkes Signal für den Naturschutz in unserer Region. Mit 33 Obstbäumen und 250 Laubgehölzen schaffen wir nicht nur neue Lebensräume, sondern auch ein sichtbares Zeichen für die Zusammenarbeit von Vereinen, Naturschutz und Bürgerschaft. Solche Projekte zeigen, wie wir gemeinsam die Natur stärken können.“
Lars Diekmann, Mitarbeiter der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim:
„Es ist toll zu sehen, wie viele Menschen sich für die Natur in unserer Grafschaft einsetzen. Die neue Obstbaumreihe und die Hecke werden nicht nur das Landschaftsbild bereichern, sondern auch Insekten, Vögel und andere Tiere unterstützen. Jeder, der mitmacht, leistet einen wertvollen Beitrag für den Biotopverbund.“
Wachstumsregion Ems-Achse e.V.
Beide Pflanzaktionen wurden zudem unterstützt von der Wachstumsregion Ems-Achse e.V., die ein regionales Netzwerk bildet, welches von der Grafschaft Bentheim, dem Emsland bis nach Ostfriesland reicht, KlimaEuros sammelt und diese in lokale Klimaschutzprojekte investiert.
Der Hegeverein Neerlage e.V. und der BUND danken den Sponsoren für die finanzielle Unterstützung der Pflanzaktionen.