BUND FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ DEUTSCHLAND (BUND) Landesverband Niedersachsen e.V. – Kreisgruppe Grafschaft Bentheim

 

 

 

 

 

 

 

Mitgliederversammlung M 48 am 25. März 2019

 

Bericht

 

 

 

 

Gliederung:

 

 

1.   Arbeit des Vorstandes      

 

 

2.   Aktivitäten in unterschiedlichen Arbeitsbereichen

 

 

a)  Vechte:  Living Vecht/Dinkel: Rust en drukte in het vechtdal

 

b)  Nordhorn-Almelo-Kanal

 

c)  LSG-Entwurf Bentheimer Wald und Samerrott, NSG-Entwurf

     Gildehauser Venn

 

d)  Anlage und Pflege von Biotopen

 

e)  Artenschutz

 

f)   Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

 

g)  Splitter

 

h)  Öffentlichkeitsarbeit

 

 

3.   Stellungnahmen aufgrund § 29 BNatGes. 

 

 

4.   Mitgliederbewegung und Mitarbeit der Mitglieder

 

 

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1. Arbeit des Vorstandes

 

Der gewählte Vorstand der BUND-Kreisgruppe hat im Berichtszeitraum März 2018 bis heute 11 ordentliche Treffen durchgeführt, zu denen stets die Mitglieder des Beirates geladen wurden.

Es fanden zahlreiche Besprechungen mit Vertretern anderer Naturschutzverbände, Behörden, Ämtern des Landkreises sowie dem Tierpark Nordhorn statt.

Die Kontakte zu anderen Natur- und Umweltschutzorganisationen, gerade in den Niederlanden, zu denen bereits in den vergangenen Jahren gute Verbindungen bestanden, wurden in Bezug auf Themen wie Artenschutz, Tourismus, Vechte, Nordhorn-Almelo-Kanal und Management extensiver Grünlandflächen, z.B. an der Vechte, intensiviert.

Schwerpunkte der Arbeit des BUND waren unterschiedliche Bereiche des Natur- und Umweltschutzes, auf die beispielhaft im Verlauf dieses Berichtes eingegangen werden soll. Dabei sind einige Bereiche inhaltlich miteinander verbunden.

 

   

a) Vechte: Living Vecht/Dinkel: Rust en drukte in het vechtdal

 

Wie auf der letzten Mitgliederversammlung berichtet, wird das niederländische Konzept „Rust en drukte in het vechtdal“ für die Vechte und ihre Aue im Rahmen des Interreg-IV-Projektes LIVING VECHT/DINKEL auf die Vechte in der Grafschaft Bentheim übertragen.

 

Vechteabschnitt mit Sohlgleite in der Obergrafschaft (Foto: BUND)

 

Auf die diesbezügliche Ausschreibung des Landkreises bewarben sich 3 Planungsbüros. Eine Grafschafter Firma erhielt letztlich die Zusage für die Ausarbeitung des Konzeptes.

Auf einem Treffen, an dem der BUND, Vertreter des Planungsbüros, der Naturschutzstiftung und des Naturschutzzentrums „de Koppel“/NL teilnahmen, steckte man den Rahmen der Untersuchungen für das zu erstellende Konzept ab.

Der BUND nahm am Vechtesymposium in Hardenberg teil. Redner erläuterten, was in den vergangenen Jahren im Vechtetal geschaffen wurde: Sie nannten als einige Beispiele den gerade fertiggestellten Vechtepark in Hardenberg, das grenzüberschreitende Projekt in Laar mit der Anlage eines Mäanders und der damit verbundenen Verlegung eines Walles, die Arbeit an der Wasserqualität oder die Beschäftigung mit dem Hochwasser sowie der Fischmigration.

Man betonte die stets sehr angenehme grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Durch die intensive und vertrauensvolle Kooperation habe man ein gutes Gefühl für die unterschiedlichen Kulturen der jeweils anderen Seite bekommen und damit auch unterschiedliche Standpunkte deutlich ansprechen können. Die Vechtetalstrategie als ein umfassendes Werk soll entwickelt werden, um das ganze Potenzial der Vechte als „lebender Fluss“ auszuschöpfen, sie als Mittelpunkt des Vechtetals darzustellen und das Vechtetal als offene Landschaft zu gestalten und Besucher anzuziehen und zu leiten.

Im Anschluss an die Fachvorträge setzten sich die Tagungsteilnehmer in drei Gesprächsgruppen mit den Themen „Hochwasser“, „Gewässergüte“ und „Chancen zur Entwicklung des Vechtetals"  auseinander, bevor der Vechtetaltag 2018 mit über zehn Exkursionen im Gebiet beiderseits der Grenze abgeschlossen wurde.

 

 

b) NOH-Almelo-Kanal

 

Laut Zeitungsberichten (GN, Tubantia, Dinkelland Visie) möchte die Stadt Nordhorn die Verbindung zu den Niederlanden über den Nordhorn-Almelo-Kanal wiederherstellen, für den Bootsverkehr nutzen und damit Gewerbe, Freizeitnutzung und Tourismus fördern. Unterstützt wird sie dabei von der niederländischen Nachbargemeinde Dinkelland. Dass dieses Vorhaben für den Biotop- und Artenschutz höchst problematisch ist, findet keine Erwähnung. Die Kreisgruppe des BUND und Naturschützer des Heimatvereins Denekamp veröffentlichten einen Presseartikel auf beiden Seiten der Grenze, in dem sie deutlich machten, dass sie die geplante Kanalöffnung, die mit erheblichen Umgestaltungs- und Erdarbeiten verbunden sein würde, aus folgenden Gründen für indiskutabel halten:

 

Seit der Stilllegung der linksemsischen Kanäle vor einigen Jahrzehnten haben sich viele ihrer Abschnitte zu wahren Naturparadiesen entwickelt. Das war planerisch auch so gewollt. Der letzte Abschnitt des Nordhorn-Almelo-Kanals auf Nordhorner Gebiet hat nach gut 50 Jahren sogar den Status eines nach § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes geschützten Biotops erreicht. Die artenreichen floristischen und faunistischen Lebensgemeinschaften im und am Kanal profitieren hier von der Segmentierung des Kanals durch Dämme und offensichtlich dadurch bedingt von der besseren Wasserqualität, die auf Nordhorner Gebiet eher zu wünschen übriglässt, wie das Regionale Raumordnungsprogramm für die Grafschaft Bentheim andeutet.

 

Mit der bisherigen Erschließung der Kanäle mit Fahrrad- und Fußgängerwegen – die Natur schonend oft nur auf einer Seite – sehen die deutschen und niederländischen Naturschützer ein Gleichgewicht zwischen der Vorsorge für Natur und Erholung gewahrt. Auch eine Nutzung von einzelnen unproblematischen Kanalabschnitten durch Kanus unter Schonung der Wasser- und Ufervegetation könnte noch als naturverträglich gelten, zumal, wenn sie außerhalb der Brutzeit erfolgt. Die Umsetzung der jetzigen Planungen würde allerdings die Zerstörung von wertvollen Lebensräumen bedeuten und die Funktion der stillgelegten Kanäle als Refugien und Trittsteine in einer zunehmend ausgeräumten Landschaft konterkarieren.

 

Lt. den niederländischen Naturschützern planen die niederländischen Behörden als Kompensation für die Schiffbarmachung des Kanals unter Einbeziehung der Rammelbecke eine von Wasser umgebene Insel mit Restauration auf niederländischer Seite zu schaffen.

Im Juli 2018 trafen sich Vertreter der Heimat- und Naturschutzvereinigung Overdinkel mit niederländischen Politikern auf der niederländischen Seite des Nordhorn-Almelo-Kanals. Auch der BUND war geladen worden. Während einer Exkursion entlang des Kanals bis hinüber nach Deutschland bekräftigten die niederländischen Naturschützer ihre Absicht, sich weiterhin gegen eine Öffnung und damit Schiffbarmachung des Kanals zu wehren.

 

Argumente waren u.a.:

 

- Einzigartige Flora und Fauna, besonders auf der niederländischen Seite des Kanals; diese würde durch die notwendig werdenden tiefgreifenden Eingriffe in das Gewässerbett sowie die Uferbereiche in Mitleidenschaft gezogen werden;

 

-        Die Wasserqualität der Rammelbecke, die den Kanal quert, ist gut. Eine Öffnung des Kanals, wobei auch dessen Segmentierung aufgehoben werden würde, würde zur Verschlechterung der Wasserqualität der Rammelbecke führen;

 

-      Die Wasserqualität des niederländischen Teils des Kanals ist besser als die auf deutscher Seite;

 

-      „Altlasten“ im deutschen Teil des Kanals (Industrieabwässer, die sich im Schlamm des Kanals befinden könnten) würden bei einer Öffnung des Kanals den niederländischen Teil kontaminieren; bei Starkregen würden Ausspülungen in den niederländischen Teil erfolgen:

 

-   Die Vielfalt der Flora und Fauna soll auch für spätere Generationen erhalten bleiben.

 

 Der BUND schloss sich dieser Argumentation an.

 

Nordhorn-Almelo-Kanal (Foto: BUND)

 

Im September war der BUND zu einem Gespräch mit Vertretern der Stadt Nordhorn sowie der UNB und dem 2. Kreisrat zu einem Gespräch über die Zukunft des Nordhorn-Almelo-Kanals geladen. Grundlage war zunächst der vom BUND initiierte GN-Artikel zum Thema.

 

Ergebnisse des Gespräches:

 

Ø  Die Stadt Nordhorn beabsichtigt langfristig, den Nordhorn-Almelo-Kanal zumindest bis zur Grenze für Boote (keine Motorboote) schiffbar zu machen.

 

Ø    Die Stadt erkennt die vom BUND geäußerten Befürchtungen an.

 

Ø    Die Stadt plant bei Eingriffen entsprechende 

      Kompensationsmaßnahmen durchzuführen.

 

Ø   Über das weitere - eventuell grenzüberschreitende - Vorgehen soll in einem Gespräch zwischen den betroffenen Kommunen Nordhorn und Dinkelland im Frühjahr des kommenden Jahres gesprochen werden.

 

Ø   Deutsche und niederländische Naturschützer sollen gehört  und in die weiteren Planungen einbezogen werden.

 

Ø  Laut Mitteilung eines niederländischen Kollegen plant die Provinz Overijssel, den Radweg am Nordhorn-Almelo-Kanal auf der niederländischen Seite zu verbreitern.

 

In einem Presseartikel des Bürgermeisters der Stadt Nordhorn bemerkte dieser am Rande: „Ich hoffe, dass sich die niederländische Seite zu einer kleinen Kanalöffnung durchringt.“ Er sei sich sicher, „dass eine Lösung unter Berücksichtigung des Naturschutzes gefunden werde, um die touristischen Ziele beider Länder zu verbinden.“

Der BUND wird dranbleiben.

 

c.  LSG-Entwurf Bentheimer Wald und Samerrott, NSG-Entwurf Gildehauser Venn

 

LSG Bentheimer Wald: Der BUND unterstützt grundsätzlich die in dem Entwurf formulierte Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Bentheimer Wald“ im Landkreis Grafschaft Bentheim und die in der Begründung zur Änderung der Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Bentheimer Wald“ dargelegten Ausführungen.

 

Allgemeiner Schutzzweck des LSG ist die Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts, der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter, einschließlich des Schutzes von Lebensstätten und Lebensräumen bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten.

Relevant sind zudem die Vielfalt, Eigenart und Schönheit und die besondere kulturhistorische Bedeutung der Landschaft sowie ihre wesentliche Funktion für die Erholung.

 

Im Verordnungsentwurf (VO) werden 20 m als Mindestabstand der Rückegassen von Gassenmitte zu Gassenmitte formuliert. Der BUND sieht bei der praktischen Umsetzung dieser Maßgabe eine gravierende Verschlechterung der in der VO formulierten Erhaltungszustandes, was sich negativ auf die schützenswerte Flora und Fauna des künftigen LSG auswirken würde.

Nach Kenntnis der Situation vor Ort schätzt der BUND die Bodenverhältnisse der überwiegenden Fläche des Bentheimer Waldes als sehr sensibel für Bodenverdichtungen bei Befahren des Waldbodens mit schweren Fahrzeugen ein. Daher fordern wir, wie in NATURA 2000 in niedersächsischen Wäldern, Leitfaden für die Praxis, aufgeführt, den Mindestabstand von Rückegassen von 40 m festzuschreiben:

In Altholzbeständen sowie auf befahrungsempfindlichen Standorten wertbestimmender Lebensraumtypen dürfen die befahrenen Feinerschließungslinien (Rückegassen) einen Mindestabstand von Gassenmitten zu Gassenmitte von 40 m nicht unterschreiten.

 

LSG-Entwurf „Samerrott“: Der BUND unterstützt grundsätzlich die in dem Entwurf formulierte Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Samerrott“ im Landkreis Grafschaft Bentheim und die in der Begründung zur Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Samerrott“ dargelegten Ausführungen.

 

Der Entwurf der Verordnung über das ca. 313 ha umfassende Landschaftsschutzgebiet „Samerrott“ im Landkreis Grafschaft Bentheim in der Gemeinde Samern (Samtgemeinde Schüttorf) stellt eine dauerhafte Sicherung einer der größten Eichen-Hainbuchenwälder auf feuchten, basenreichen Standorten im niedersächsischen Tiefland dar.

 

Der wertbestimmende Lebensraumtyp der feuchten Eichen-Hainbuchenwälder sowie weitere vorkommende schutzwürdige FFH-Lebensraumtypen wie der Hainsimsen-Buchenwald und der Waldmeister-Buchenwald gehören in der Grafschaft Bentheim zu den nur noch selten anzutreffenden Biotopen.

Die im Samerrott vorkommenden Waldbereiche nasser Standorte, Sumpfwälder, naturnahen Kleingewässer, Waldtümpel sowie der naturnahe Bachlauf erfüllen alle Kriterien des § 30 BNatSchG.

 

Dem Samerrott kann also insgesamt eine herausragende Bedeutung im Hinblick auf den Schutz von Arten und Lebensräumen sowie das Landschaftsbild zugesprochen werden. Der Landschaftskomplex aus überwiegend Laubwäldern und angrenzenden kleinstrukturierten Offenlandbereichen ist wegen seiner Eigenart, Vielfalt und Schönheit auch von besonderer Bedeutung für die Erholung.

 

Der BUND begrüßt die geplante Festschreibung, einen bestimmten Altholzanteil im Wald zu belassen. Ebenso unterstützen wir das Belassen von Habitatbäumen und die Schonung von Habitatbaumanwärtern, die wichtige Nahrungs- und Bruthabitate für Spechte (bes. Mittel- und Kleinspecht, aber auch Kleiber, Meisen, etc.) sowie für verschiedenen Käferarten (bes. Hirschkäfer, evtl. Eremit) und ihre Larven darstellen. Das Gleiche gilt für stehendes oder liegendes Totholz, das bis zum natürlichen Zerfall im Wald belassen werden sollte.

Wir sehen allerdings auch, dass fallbedingt Ausnahmen von diesen Vorgaben möglich sein müssen. Diese sind dann allerdings von Zustimmung der Naturschutzbehörde abhängig.

 

Zu berücksichtigen werden sollte nach Meinung des BUND, dass das bis heute im Eigentum der Sameraner Bauern befindliche Samerrott nicht zuletzt durch die nachhaltige Nutzung über viele Generationen den Status erreicht hat, den es heute zu bewahren gilt.

 

Auch zum entsprechenden Entwurf zum Schutz des Gildehauser Venns durch die Ausweisung als Naturschutzgebiet reichte der BUND eine umfangreiche Stellungnahme ein.

 

Gewässer mit Torfmoos im Moor (Foto: BUND)

 

Ende November 2018 fand eine Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses im Kreisverwaltungsgebäude statt. Wesentliche Tagesordnungspunkte für uns waren die Umsetzung der europäischen Richtlinien zu Flora-Fauna-Habitatgebieten/Natura 2000 Samerrott, Bentheimer Wald und Gildehauser Venn.

 

Ergebnisse:

 

Das Gildehauser Venn ist ein Naturschutzgebiet

 

Das Samerrott und der Bentheimer Wald sind Landschaftsschutzgebiete

 

Das Georgsdorfer Moor wird ab 2019 als Vogelschutzgebiet ausgewiesen.

 

 

d) Anlage und Pflege von Biotopen

 

Das Insektensterben macht auch vor den Schmetterlingen nicht Halt. Sie verschwinden häufig ganz unbemerkt aus unserer Landschaft: Von den Tagfaltern geht es nur etwa einem Drittel noch wirklich gut, viele sind sogar vom Aussterben bedroht. Bei den Nachtfaltern gilt etwa die Hälfte der Arten als gefährdet.

Die Ursachen für den Rückgang der Schmetterlinge sind fast so vielfältig wie die Schmetterlinge selbst. 

„Hochleistungsäcker“ mit Raps-, Mais- oder sonstigen Monokulturen sind für nahezu alle Schmetterlingsarten lebensfeindlich. Das gleiche gilt für überdüngte Wiesen. Durch Unkrautvernichtungsmittel verschwinden Raupen-Futterpflanzen und die Nektarquelle der Falter.

Wahrscheinlich spielt auch der Klimawandel beim Rückgang der Schmetterlinge eine wichtige Rolle. Doch auch im Kleinen wird es Schmetterlingen schwer gemacht. Etwa wenn sie in Gärten und Parks nur noch exotische Pflanzen finden, von denen sie sich nicht ernähren können.

 

Die meisten heimischen Schmetterlingsarten ernähren sich von Blüten und jeder kann dazu beitragen, dass sich auf immer mehr Balkonen und in immer mehr Gärten die Blumen finden, die Schmetterlinge zum Leben brauchen. Es müssen wieder Lebensgrundlagen für Schmetterlinge geschaffen werden.

 

Anlage einer Blühwiese in Uelsen (Foto: BUND)

 

So legten in einer gemeinsamen Aktion Mitglieder des Vereins der Vogelliebhaber Niedergrafschaft und der BUND-Kreisgruppe Grafschaft Bentheim in ihrem Biotop an der alten Kläranlage in Uelsen eine Schmetterlingswiese an.

Die Samtgemeinde Uelsen hatte im Jahre 2008 dem Verein der Vogelliebhaber in Form einer Patenschaft eine der Alten Kläranlage in Uelsen angrenzende etwa 3500 m² große Fläche zur naturgemäßen Gestaltung zur Verfügung gestellt. Später wurde dieses Areal um ein etwa 10.000 m2 großes Feuchtgebiet mit Hochstauden- und altem Erlenbestand ergänzt. Seitdem wird die Gesamtfläche unter Mitwirkung der BUND-Kreisgruppe nach ökologischen Aspekten entwickelt: Obstbäume wurden gepflanzt, Nisthilfen für Höhlenbrüter und Sommerquartiere für Fledermäuse wurden angebracht und ein Wildbienenstand wurde errichtet.

An dem viel befahrenen Radweg, der an den Biotopen entlangführt, weisen Informationstafeln auf Besonderheiten der Fauna dieses Gebietes hin.

 

Im Wiedervernässungsgebiet Hochmoor Ringe, das der BUND federführend für die Naturschutzverbände in der Grafschaft betreut, bieten die mittlerweile abgeholzten Flächen ein für ein Hochmoor typisches Bild. Wir hoffen, dass sich im Laufe der Zeit weiter hochmoortypische Pflanzen und Tiere hier ansiedeln. Voraussetzung ist Niederschlagswasser. Ein Sommer wie 2018 trägt sicherlich nicht dazu bei.

 

Das BUND-Gewässer im Wilsumer Moor wurde im Frühjahr von beschattenden Gehölzen freigestellt, um Amphibien Laichhabitate zu bieten.

 

    

e) Artenschutz

 

In den Jahren 2012, 2013 und 2015 wurden in Gemeinschaftsaktion von Unterer Naturschutzbehörde, Nabu und BUND sowohl Kaulquappen als auch frisch metamorphosierte Jungtiere in unterschiedliche Gewässer in der Obergrafschaft entlassen.

Um überhaupt das Vorkommen von Laubfröschen feststellen zu können, ist eine akustische Erfassung der rufenden Männchen notwendig. Hierzu werden an geeigneten Abenden zwischen Mitte April und Mitte Mai die Gewässer angefahren und die rufenden Männchen erfasst. Einzelne Tiere lassen sich gut abzählen. Nimmt die Chorgröße jedoch zu, so können ab 10-15 Rufern die Größenklassen nur geschätzt werden.

 

 Europäischer Laubfrosch (Foto: Wikipedia)

 

Je größer die Ruferzahl, umso gröber ist die geschätzte Angabe. Zu beachten ist, dass nicht immer alle anwesenden Tiere gleichzeitig rufen. Gerade kleine Chöre können auch ganz übersehen werden, weil bei ihnen die Rufpausen z.B. aufgrund kühlerer Temperaturen länger sind. Maximalzahlen lassen sich nur an wenigen Abenden im Jahr, oft nur an zwei bis drei Abenden, bei besonders guter Witterung, erfassen. Dann sollte die Temperatur vor Ort über 15°C liegen und es sollte Windstille herrschen.

2018 zeigte sich, dass an den Gewässerstandorten zahlreiche rufende Laubfroschmännchen zu vernehmen waren, so dass man davon ausgehen kann, dass jetzt auch eine natürliche Reproduktion stattfinden kann.

 

In der vergangenen Brutsaison wurden ca. 20 Uferschwalbenpaare an der künstlichen Uferschwalbenwand an der Weißen Riete in Schüttorf festgestellt. Die Wand wurde, wie berichtet, im Jahr davor verlängert. Ende des Jahres führten Mitglieder des BUND und des Nabu nötig gewordene Pflegearbeiten durch: Mit Hilfe eines Erdbohrers wurden beflogene Niströhren ausgebohrt und anschließend mit weißem Sand mittels angefertigter Stopfhölzer wieder aufgefüllt. Zusätzlich wurden über die Wand hängende Gräser und Stauden zurückgeschnitten.

In der Hoffnung, im Laufe der Zeit auch einen Eisvogel anzusiedeln, wurde in einem Gewässer durch das Einbringen einer kupierten Baumkrone eine Ansitzwarte geschaffen.

 

Während der „Naturschutzwoche für Kinder“ unterstützte der BUND die Naturschutz-AG der Realschule Bad Bentheim bei Bau eines Reptilien-Trockenhanges in Schulwald in Quendorf.

 

Auf einer ehemaligen ca. 1,5 ha großen Ackerfläche am Rande des Bentheimer Waldes in Quendorf pflanzten von 4 Jahren insgesamt etwa 400 Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Projektwoche über 8000 Jungbäume unterschiedlicher Art. Zur Verfügung gestellt und finanziert hatte das Projekt die Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim sowie die Stiftung Zukunft Wald. Da langfristig eine Vielfalt an unterschiedlichen Biotopen entstehen sollte, wurden Flachgewässer, Sukzessionsflächen, Sumpf- und Trockenstandorte sowie eine Schmetterlingswiese mit standorttypischen Pflanzen und eine Streuobstwiese in den Waldbereich integriert.

Im Rahmen der diesjährigen Naturschutzwoche für Kinder und Jugendliche des Natur-Netzes Niedersachen e. V., finanziell unterstützt von der BINGO-Umweltstiftung und fachlich begleitet von der Kreisgruppe des BUND, schuf die Naturschutzarbeitsgemeinschaft der Realschule, die sich derzeit aus 14 Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 – 10 zusammensetzt, artgerechte Lebensräume für Reptilien durch die Einrichtung geeigneter Schutzmaßnahmen, wurden doch im angrenzenden Bentheimer Wald Ringelnattern, Waldeidechsen und Blindschleichen festgestellt.

Hierzu musste zunächst der künftige Standort an einem sonnenexponierten Hang von Bewuchs befreit und der vorhandene, etwa 15 cm starke nährstoffreiche Oberboden abgetragen und durch mageren hellen Sand ersetzt werden, damit im Laufe der einsetzenden natürlichen Sukzession eine künftige Verbuschung möglichst unterbunden wird.

Anschließend wurde Sandsteinbruch aufgeschichtet und durch den Einbau von altem Wurzelholz und Baumstubben die Strukturvielfalt des Lesesteinhanges erhöht.

Durch die Maßnahmen sollen für die Reptilien künftig sowohl Unterschlupf- als auch Nahrungshabitate geschaffen werden.  

 

Anlage eines Lesesteinhanges für Reptilien (Foto: BUND)

 

Durch die dargestellte Artenschutzmaßnahme soll zudem die Artenvielfalt – speziell im Hinblick auf gefährdete Reptilienarten – im Schulwald gefördert und erhöht werden.

 

  

f) Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

 

Das Verhalten auf und an Fließgewässern, Kleinlebewesen und Vögel an und in der Vechte, dem Hausfluss der Nordhorner Kanuten, waren Themen des ökologischen Nachmittags, den die Kanujugend des Bootsclubs Nordhorn (BCN) und die Kreisgruppe des BUND veranstalteten.

Vom Erstaunen über die Vielfalt an Kleinlebewesen („Was da alles im Wasser lebt, das hätte ich nie gedacht!“) bis zum Entdeckerstolz eines kleinen Forschers („Ich habe hier eine Wandermuschel gefangen“) reichten die Reaktionen des sieben- bis 15-jährigen Kanunachwuchses des BCN, der „Natur pur“ erlebte.

 

„Welche Wasservögel leben an Vechte und Vechtesee?“ war eine der Fragen, die als Einstieg in das Thema dienten. Anhand von präparierten Vögeln und Abbildungen lernten die ca. 15 jungen Kanuten auch Vogelarten kennen, die besonders störungsempfindlich sind und bei deren Vorkommen besonders Rücksichtnahme erforderlich ist.

Ein besonderes Augenmerk richteten die Gäste vom BUND auch auf die Verschmutzung der Flüsse, Seen und Meere mit Plastikabfall, der, zu Mikropartikeln zerfallen, Wasserlebewesen und letztlich dem Menschen selbst schädigt.

 

Mit Hilfe von Keschern und Sieben wurden anschließend Kleinlebewesen im Uferbereich des Vechtesees aufgespürt, unter die Lupe genommen und bestimmt. Alle Lebewesen wurden später vorsichtig wieder in ihr Element zurückgesetzt. Anhand der aus dem Uferbereich des Vechtesees gekescherten Tiere und einer Schautafel wurde die Wasserqualität des Vechtewassers als mäßig belastet bestimmt. Eine parallel durchgeführte pH-Wert-Bestimmung durch einen Teil der Jugendgruppe ergab, dass das Wasser des Vechtesees mit einem pH-Wert von etwa 6 bis 7 im normalen Bereich liegt. Die Phosphat- und Nitratgehalte des untersuchten Wassers lagen knapp oberhalb der Nachweisgrenze.

 

Als ärgerlich empfanden die Kinder und Jugendlichen unachtsam weggeworfenen Müll, der streckenweise die Uferbereiche säumte.

 

Alle Beteiligten waren mit Begeisterung bei der Sache und lernten einmal andere Seiten ihrer Sportstätte kennen. BUND und BCN äußerten die Hoffnung, die jungen Kanuten mit der Veranstaltung für die Empfindlichkeiten und Gefährdungen für Lebewesen am und im Wasser sensibilisiert und ihnen die Vielfalt der Natur näher gebracht zu haben. Beide Verbände brachten ihren Willen zum Ausdruck, gemeinsame Aktivitäten im Bereich der Umweltbildung und des Umweltschutzes - zu dem auch die jährlich von der BCN-Kanujugend mitorganisierte Müllsammelaktion zählt – fortzusetzen.