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Bericht des Vorstandes zur 40. Mitgliederversammlung
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Gliederung:
1. Arbeit des Vorstandes
2. Aktivitäten in unterschiedlichen Arbeitsbereichen
a) Geplante Umgehungsstraßen in Emlichheim und Nordhorn
b) „Aktivpark Grafschaft Bentheim“
c) Bemühungen um des Vechtetal und anderer Gewässer
d) Änderungen des LROP
e) „Zukunftswerkstatt Geologie und Naturerlebnis“
f) Biogasanlagen und Massentierhaltung
g) Gestaltung und Pflege von Biotopen
h) Besondere Maßnahmen zum Schutz von gefährdeten Pflanzen und Tieren
i) Naturschutzarbeit mit Kindern und Jugendlichen
j) Öffentlichkeitsarbeit
3. Stellungnahmen aufgrund § 29 BNatGes.
4. Mitgliederbewegung und Mitarbeit der Mitglieder
5. Ausblick
1. Arbeit des Vorstandes
Der gewählte Vorstand der Kreisgruppe des BUND hat im Berichtszeitraum 11 ordentliche Sitzungen durchgeführt. Zu jedem dieser Treffen waren die Mitglieder des Beirates geladen.
Im Berichtszeitraum fanden zahlreiche Besprechungen mit Vertretern anderer Naturschutzverbände, Bürgerinitiativen, Behörden, Ämtern des Landkreises sowie dem Tierpark Nordhorn statt.
Die Kontakte zu anderen, auch niederländischen Natur- und Umweltschutzorganisationen, zu denen bereits in den letzten Jahren Kontakte bestanden, wurden in Bezug auf grenzüberschreitende Themen wie Artenschutz, Tourismus, Vechte, Bewirtschaftung extensiver Grünlandflächen und besonders hinsichtlich der geplanten Flughafenerweiterung Twente intensiviert. Schwerpunkte dieser Gespräche und Treffen waren unterschiedliche Bereiche des Natur- und Umweltschutzes, auf die in Beispielen im Verlauf dieses Berichtes eingegangen werden soll.
2. Aktivitäten in unterschiedlichen Arbeitsbereichen
a) Geplante Umgehungsstraßen in Emlichheim und Nordhorn
Im März 2010 nahm ein Vertreter des BUND an einem Gespräch über die geplante Südumgehung in Emlichheim im Rathaus der Samtgemeinde Emlichheim teil. Zur Diskussion standen mehrere Varianten einer möglichen Südumgehung sowie die Verlängerung der K 19 im Norden Emlichheims. Eine die Gemeinde Emlichheim weitläufig umgehende Straße hatte der BUND favorisiert. Bei den vorgeschlagenen Varianten der Südumgehung sieht der BUND besonders die Querung des Vechtetals, hier insbesondere des tiefliegenden Überschwemmungsgebietes in Oeveringen, kritisch. Der Forderung, die Denne nicht zu tangieren, wurde mittlerweile durch das Abrücken möglicher Trassenverläufe von dem Naturerholungsgebiet entsprochen. Die Umweltverträglichkeitsprüfung soll nicht von vorneherein auf die Untersuchung vorgegebener Trassenvarianten beschränkt werden. Man möchte zu der gesamträumlich konfliktärmsten Umgehungsstraße gelangen.
Mit dem so genannten Scopingtermin, der Antragskonferenz, ist die Planung der Umgehungsstraße Emlichheim in die nächste Runde gegangen.
Als nächstes wurde der Untersuchungsraum festgelegt. In der Diskussion ist eine Südumgehung von der Kreuzung K 16/B 403 entlang der Denne bis zur Kreuzung K 21/B 403 westlich von Emlichheim. Die Alternative wäre eine Nord-West-Umgehung von der Kreuzung K 19/L 44 zur Kreuzung K 21/B 403.
Die Kreisverwaltung hat sich auf der Basis eines Verkehrsgutachtens für die Südumgehung ausgesprochen. Derselbe Gutachter war ein Jahr zuvor im Auftrag der Gemeinde Emlichheim zu dem Ergebnis gelangt, dass der Nord-West-Umgehung der Vorrang zu geben sei.
Nun steht fest, dass die geplante Südumgehung von Emlichheim soll das Gebiet „Denne“ nicht berühren wird.
Eine Umweltverträglichkeitsprüfung hat ergeben, dass in dem Waldstück „Denne“ eine enorme Vielfalt schützenswerter Tier- und Pflanzenarten lebt, was eine Kompensation nahezu unmöglich machen würde. Die geplante Südumgehung könnte durch den Ortsteil Volzel verlaufen oder östlich der Denne in Richtung Ortsmitte. Die Studie hat auch gezeigt, dass es im Nordwesten Emlichheims ein hohes Aufkommen von Vögeln gibt. Damit würden auch einige Bereiche aus dem Trassenkorridor für eine mögliche Nordwestumgehung Emlichheims herausfallen.
Die Landwirtschaftskammer nimmt seit Jahresbeginn eine landwirtschaftliche Betroffenheitsanalyse vor. Die angedachte Umgehungsstraße würde rund 180 Flächen berühren. Die Ortsumgehung bedeutet für Natur, Landschaft und Boden einen schwerwiegenden und nachhaltigen Einschnitt.
Nach Abschluss aller Prüfungen sollen die Ergebnisse verglichen und kombiniert werden. Die Resultate aller Gutachten und Studien sowie alle dann denkbaren Trassenvarianten sollen ab Oktober öffentlich ausgelegt werden. In einem Jahr steht dann voraussichtlich fest, wo die Ortsumgehung genau entlang führen soll.
Die Stellungnahme des BUND zur geplanten Nordumgehung Nordhorn hat folgenden Inhalt:
1. Die geplante Straße ist nicht notwendig. Das zu erwartende Verkehrsaufkommen erfordert den Bau dieser Straße nicht. Die bestehenden Verkehrsprobleme im Bereich Stadtring, Neuenhauser Straße, Altendorfer Ring können mit dieser Straße nicht behoben werden. Hier sind andere Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Die vorhandenen Probleme, insbesondere im Bereich des Stadtrings, beruhen nicht auf überörtlichem Verkehr, sondern auf Ziel- und Quellverkehr, so dass mit der geplanten Nordumgehung keine Entlastung geschaffen werden kann.
2. Die Planungsgrundlagen sind veraltet, unzureichend ermittelt und berücksichtigen nicht die neuesten Verkehrsplanungen im nördlichen Bereich von Nordhorn. Nach den Planungsunterlagen soll die Nordumgehung neben der Entlastung des innerstädtischen Rings der „Verbesserung der verkehrlichen Anbindung der Niedergrafschaft einschließlich des grenzüberschreitenden Industrie- und Gewerbegebietes EURO-Park der Gemeinden Emlichheim (D) und Coevorden (NL) ...“ dienen. In einer Bürgerversammlung am 24. November 2008 in der Gaststätte Rammelkamp räumte der Landrat des Landkreises Grafschaft Bentheim ein, dass für den nördlichen Bereich der Niedergrafschaft längst Verkehrsverbindungen zur Autobahn A 31 bestehen. Die Nordumgehung sei aber nach wie vor wichtig für den südlichen Bereich von Neuenhaus und den nördlichen Bereich von Nordhorn. Hieraus wird deutlich, dass selbst nach Einschätzung des Landrates die ursprünglichen Annahmen, die der Planung der Nordumgehung zugrunde liegen, inzwischen überholt sind.
3. Ein von der Stadt Nordhorn in Auftrag gegebenes „Standortprofil“ des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung vom April 2010 kommt zu dem Ergebnis, dass „... auch für die Stadt Nordhorn im kommenden Jahrzehnt mit rückläufigen Einwohnerzahlen zu rechnen ...“ ist. Ferner wird betont, dass sich Abweichungen in der Bevölkerungsentwicklung gegenüber früheren Prognosen ergeben durch „... Zu- und Fortzugsraten, deren Niveau in Niedersachsen gerade in den letzten drei Jahren stark gesunken ist ...“. Diese Hinweise machen deutlich, dass die der Planung der Nordumgehung zugrunde gelegten Verkehrsströme durch die aus heutiger Sicht zu erwartende Bevölkerungsentwicklung nicht gedeckt ist.
4. Die Fragwürdigkeit der Verkehrsprognosen wird auch belegt durch Zählungen, die im Auftrag der Stadt Nordhorn im Herbst 2009 auf der Euregiostraße durchgeführt worden sind. Die aktuelle Zählung ergab eine Verkehrsbelastung von 7.894 Fahrzeugen in einem Zeitraum von 24 Stunden gegenüber einer Prognose von 15.560 Fahrzeugen aus dem Jahr 2001. Dabei waren die aktuellen Zahlen nach Einschätzung des Gutachters sogar noch dadurch erhöht, dass die Veldhauser Straße im Zeitpunkt der Zählung teilweise gesperrt war.
5. Die Höhe der von der Stadt Nordhorn im Zusammenhang mit der Nordumgehung aufzubringenden Mittel ist offenbar nicht abschließend geklärt. Die Finanzierung eines vom Stadtbaurat genannten Betrages von 1,6 Mio Euro für ein Brückenbauwerk „Döppersweg“ ist nicht gesichert. Für das Haushaltsjahr 2010 hat sich bei der Stadt Nordhorn ein erheblicher Fehlbetrag ergeben, der dazu geführt hat, dass ein Haushaltssicherungskonzept erstellt werden musste. Dies hatte u.a. die Erhöhung von Steuern und Abgaben und zur Kürzung von Leistungen der Stadt etwa in den Bereichen Kultur, Sport und Soziales zur Folge. Auch für das Jahr 2011 erwartet die Stadt im Haushalt einen Fehlbetrag von 1,2 Mio Euro; die Erhöhung von Realsteuern wird ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Die von der Stadt Nordhorn zu tragenden Kosten für die Nordumgehung dürften damit zu weiteren Belastungen für die Bürger führen, sei es durch steigende Steuern und Abgaben, durch Leistungskürzungen oder durch einen Anstieg der Neuverschuldung, die letztlich auch in der Zukunft von den Bürgern abzutragen ist.
6. Der BUND hält daher die geplante Nordumgehung für überflüssig.
Seit dem 01.04.2010 ist der BUND Mitglied der BI „Contra Nordumgehung Nordhorn“.
An der Demonstration gegen die Nordumgehung am 03.10.2010 nahmen Vertreter des BUND teil.
b) „Aktivpark Grafschaft Bentheim“
Mitglieder des BUND nahmen am „Info-Workshop Aktivtourismus“ in der Grafschaft Bentheim im Kloster Frenswegen teil. In einem landkreisweiten LEADER-Projekt erarbeitet der Grafschaft Bentheim Tourismus in Zusammenarbeit mit Vertretern aus den kreisangehörigen Kommunen ein Konzept, um den Aktivtourismus in der Grafschaft Bentheim zu stärken und weiter zu entwickeln. Hierzu sollen bestehende Angebote wie z. B. Radfahren, Wandern etc. gebündelt sowie neue, innovative Ideen umgesetzt werden. Schwerpunktthemen sollen sein: Radfahren, Grenze erleben und Wasser, da dieses Themen sind, die die gesamte Region verbinden.
Mit der Umsetzung des Konzeptes für einen sog. „Aktivpark Grafschaft Bentheim“ soll sich die Grafschaft Bentheim von anderen Regionen abheben; es sollen zusätzliche Gäste gewonnen und auch den Grafschaftern sollen neue Freizeitmöglichkeiten eröffnet werden. Drei Schwerpunkte kristallisieren sich für den künftigen Aktivpark heraus:
- „Radfahren“
- „Wassererlebnisse“
- „ Über die Grenze“.
Da die Grafschaft bereits gut mit Angeboten für Radfahrer bestückt ist, soll das Hauptaugenmerk in diesem Bereich auf Zusatzangebote für Radtouristen gelegt werden. Bei den „Wassererlebnissen“ soll das Paddeln auf kleinen Gewässern – vielleicht mit außergewöhnlichen Wasserfahrzeugen – intensiviert werden. Die „Grenzerlebnisse“ schließlich beinhalten z.B. die Vision „ ein grenzüberschreitendes Hotel“ zwischen den Niederlanden und Deutschland zu errichten. Ziel aller Unternehmungen sind also Projekte, die verkauft werden können.
Bedenken trug der BUND besonders in den Bereichen vor, in denen es um den Ausbau von Wegen z.B. entlang der Vechte ging.
Als ein Ergänzungsangebot in der Natur wurde die Entwicklung von themenbezogenen Geo-Caching-Tracks vorgeschlagen. Dies ist eine moderne, GPS-gelenkte „Schnitzeljagd“. Im Landkreis werden verschiedene „Schätze“ versteckt, die mit einem Rätsel versehen und mit GPS-Koordinaten geokodiert werden. Die „Cacher“ können sich dann mit Hilfe eines GPS- Gerätes und den dazugehörigen Koordinaten auf die Suche machen. Neben der spielerischen Inszenierung der Kulturlandschaft besteht so die Möglichkeit, Besucher gezielt auf bestimmte Angebote (z. B. „Aktiv-Attraktionen“) zu lenken.
Die Geo-Caching Punkte bzw. „Schätze“ könnten landkreisweit verteilt sein. Als Betreiber bzw. Investoren kommen regionale Vereine sowie die Kommunen in Betracht.
Der BUND gab zu diesem Thema seine ausdrücklichen Bedenken gegen eine Forcierung dieses „Sports“ in der Grafschaft Bentheim zu Protokoll. Er wies darauf hin, dass mittlerweile an vielen Stellen in der Grafschaft – ob in Wäldern, in LSG, NSG etc. – „Schätze“ versteckt seien, die zu jeder Tages- und Nachtzeit Ziel der Geo-Cacher sind.
Die Berücksichtigung der Bedenken des BUND wurden vom Vorstand der LAG zugesagt mit dem Hinweis, dass der BUND bei den evtl. weiter stattfindenden Entscheidungsprozessen beteiligt wird.
c) Bemühungen um das Vechtetal und andere Gewässer
Die BUND-Kreisgruppe nahm im vergangenen Jahr am landesweiten Wettbewerb „Bach im Fluss“ teil. Von den 44 eingereichten Beiträgen von Kommunen, Verbänden, Vereinen und Initiativen wurden elf zur Begutachtung ausgewählt, zu denen auch der BUND-Beitrag „Die Vechte und ihre Aue“ gehörte. Ziel der Aktion ist es, besonders gelungene Gewässerprojekte zu prämieren und öffentlich zu präsentieren.
An der Präsentation des BUND, die im Quendorfer Vechtetal stattfand, waren neben der siebenköpfigen Jury mit Experten aus ganz Niedersachsen Vertreter des BUND, der Naturschutzstiftung und von der Stadt Schüttorf zugegen.
Der Schwerpunkt liegt auf kleineren Fließgewässern. Selbst die unzähligen kleinen Gräben haben vielfältige Funktionen für die Landschaft. Sie sind nicht nur wichtig für eine ausreichende Entwässerung und für den notwendigen Hochwasserschutz, sondern auch für Umwelt und Landschaftsbild – und ebenso bedeutend für Tourismus und Naherholung. „Sie sind Ort für besondere Sinneseindrücke und kulturelle Ereignisse und ermöglichen Erlernen, Erleben und Begreifen eines wichtigen Teiles unserer Umwelt. Die Vielfalt gilt es zu schützen und zu entwickeln“, lautete das Ziel des Wettbewerbs von Kommunaler Umwelt-Aktion Niedersachsen und Umweltministerium. Dabei standen insgesamt Preisgelder in Höhe von 5000 Euro zur Verfügung. Außerdem wurde der Titel „Niedersächsische Bachperle 2010“ vergeben.
Genau eine Stunde hatten die beiden Vorsitzenden der BUND-Kreisgruppe Zeit, um an zwei Stellen in Quendorf zu erläutern, warum das Projekt Vechteaue auch über die lokalen Grenzen hinaus Anerkennung finden sohllte. Denn seit Jahren engagiert sich der BUND für die Revitalisierung der Vechte und ihrer Aue in enger Zusammenarbeit mit der Naturschutzstiftung und den Kommunen. Beeindruckt war die Jury über die professionelle Darstellung der Arbeit unter anderem durch Schautafeln in deutscher und niederländischer Sprache. Dabei wurde die enge Kooperation mit den Niederlanden betont. Aber auch in vielen Führungen und Projekten vor allem mit Schülern wird vermittelt, weshalb die Forderung von Natur- und Umweltschützern so wichtig ist: Gebt den Flüssen mehr Raum. Spätestens seit den letzten Hochwasserereignissen finden sie damit bei Politikern und Fachplanern immer öfter Gehör. Die nunmehr naturnahen Bereiche des Vechtetals weisen als natürliche Überschwemmungsgebiete wichtige Funktionen des Hochwasserschutzes auf. Dies gilt explizit für Niederungen in Nordhorn-Hesepe, Quendorf und Samern, bei deren naturnaher Neugestaltung auch die Funktion als Wasserrückhaltefläche besonders berücksichtigt wurde.
Die BUND-Kreisgruppe beschäftigt sich seit langem auch mit dem Zustand und der Pflege der durch den Ausbau und die Regulierung der Vechte entstandenen Altarme. Dabei entstand die Idee, einmal für einen ganzen Flussabschnitt modellartig die wünschenswerte Entwicklung aus Sicht des Naturschutzes zu skizzieren. Der Vechteauebereich zwischen Schüttorf und Nordhorn wurde für das „Entwicklungskonzept Vechteaue“ ausgewählt, weil noch besonders viele ursprüngliche Merkmale der Aue vorhanden sind. Um herauszufinden, wo sich früher Auwälder und Sumpfflächen ausbreiteten und wie sich das Vechtetal verändert hat, mussten alte Karten und Luftbilder studiert werden. Das BUND-Fazit: Der Verlust an alter Natur- und Kulturlandschaft und damit auch der Artenvielfalt war erschütternd. Es gilt daher weiterhin, an geeigneten Stellen in der Vechteaue Poolflächen anzulegen und sie im Sinne des Natur- und Landschaftsschutzes zu entwickeln und damit die Grundlage für eine Artenvielfalt von Flora und Fauna zu legen.
Leider wurde unsere Kreisgruppe bei der Preisverleihung nicht berücksichtigt, erhielt aber eine Anerkennungsurkunde für die geleistete Arbeit.
Eine ausführliche Stellungnahme verfasste die Kreisgruppe des BUND zum geplanten Umbau der Grenzaa.
Obwohl eine tatsächliche Renaturierung der dortigen Grenzaa aufgrund verschiedener Rahmenbedingung und Erfordernisse kaum umsetzbar sein dürfte, sollte sich die Planung nicht nur auf hydrologische Anforderungen, eine visuelle Verbesserung des Landschaftsbildes sowie eine Erhöhung des Erholungswertes beschränken. Vielmehr bietet der nun anstehende Umbau der Grenzaa nach Meinung des BUND die Möglichkeit, in Teilbereichen eine ungestörte Weiterentwicklung des Landschaftsökosystems mit Vorteilen für Flora und Fauna zu initiieren. Dies sollte zum einen mit einer allgemeinen Reduzierung anthropogener Nutzungseinflüsse einhergehen, was insbesondere auch die in der Planung berücksichtigten Wassersportaktivitäten (Kanuvermietung), Reitsportaktivitäten (Furt für Pferde) und die Naherholungsbelange (Stege und Bohlenwege) betreffen würde. Zum anderen wäre die Einrichtung einiger besonders geschützter Teilbereiche erforderlich, welche einen ausreichenden Abstand zu den geplanten Wegen, den Erholungsinfrastrukturen sowie den sonstigen Infrastrukturen aufweisen. Ob die vielfältigen Erholungsinfrastrukturen im geplanten Umfang überhaupt als erforderlich und sinnvoll eingestuft werden können, erscheint zweifelhaft. Eine zu starke anthropogene Frequentierung dürfte dem Brut- und Setzverhalten vieler Tierarten abträglich sein. In diesem Sinne erscheint auch die Errichtung der diversen geplanten Parkplätze als fragwürdig, da diese ein erhöhtes Aufkommen von motorisiertem Individualverkehr induzieren könnten; vielmehr wäre sogar ein eingeschränktes Zufahrtsrecht für Personenkraftwagen sinnvoll. Die Integration vorhandener Baumbestände sowie die beabsichtigte Gehölzentwicklung in den äußeren Randlagen des Winterbettes einiger Planungsabschnitte sollten durch weitere miteinander vernetzte Gehölzentwicklungen ergänzt werden. Dies wäre auch durch die Tolerierung natürlicher Sukzession an ausgewählten Standorten zu begleiten. Damit würden langfristig Ansätze von Auwäldern entstehen, die die Strukturvielfalt des Planungsgebietes bereichern würden. Dies hätte nicht nur positive Auswirkungen auf den Naturhaushalt und das Landschaftsbild, sondern würde auch eine Reminiszenz an die ursprünglichen Erlenbrüche und nassen Eichen-Hainbuchen-Wälder des Standortes darstellen. Die Anlage der Wege und Pfade ohne bodenversiegelnde Beläge ist zu begrüßen; auch der geplante Radweg sowie die in einigen Abschnitten anzulegende Straße sollten als sog. Naturwege geplant werden.
Sehr umfangreiche Flächen entlang der Grenzaa gehören zum avifaunistisch international bedeutsamen „Rastgebietskomplex Emlichheim“. Der Bereich ist von entscheidender Bedeutung als Nahrungs-, Rast-, Schlaf- und Brutplatz für Gastvögel und Brutvögel (insbesondere Wiesenvögel). Im Einzelnen begründet sich die hohe avifaunistische Bedeutung des Gebietes wie folgt: Die Anlage der oben aufgeführten touristischen Einrichtungen, von Wegen im Bereich der Grenzaa sowie die Nutzung des Bereichs für den Tourismus insgesamt lehnt der BUND jedoch ab, da sie die Verdrängung wertvoller Vogelpopulationen sowie eine sehr erhebliche Beeinträchtigung der dargestellten Funktionen für Gast- und Brutvögel (Wiesenvögel) zur Folge hätten und der Erhaltungszustand der lokalen und regionalen Populationen der aufgeführten Gast- und Brutvogelarten in hohem Maße gefährdet wäre. Artenschutzrechtlich ist das Vorhaben in der vorgelegten Form aus unserer Sicht nicht vertretbar und nicht genehmigungsfähig. Wir regen vielmehr an, zum Beispiel die Entwicklung von Feucht- und Nasswiesen in noch weit stärkerem Maße als bislang geplant voranzutreiben.
Ein Ortstermin fand am Vechtealtarm „Weigatt“ in Tinholt statt. Teilnehmer waren Vertreter der UNB, der UWB, des UHV 114 Vechte, des Angelsportvereins Neuenhaus und des BUND. Es sollte geprüft werden, ob und in welcher Weise eine Teilentschlammung des Gewässers, das von einem Graben durchflossen wird, möglich ist. Dazu wurden zunächst Bodenproben aus dem Sediment des Gewässers gezogen und auf mögliche Schadstoffkontaminationen überprüft Da diese negativ ausfielen, sollen nun weitere Schritte hin zu einer Sanierung des Vechtealtarmes erfolgen.
In einem Gespräch mit dem Leiter des UHV Vechte beschrieb dieser die neu gestalteten Unterhaltsarbeiten entlang von Gräben und anderen Fließgewässern. Ein besonderer Hinweis erfolgte darauf, dass künftig einseitige Räumungen mit punktueller Schonung des Röhrrichtes durchgeführt werden sollen, was jedoch wohl erst nach und nach umgesetzt werden kann.
d) Änderungen des LROP
Es geht um den sogenannten 300m-Block bei Georgsdorf. Die Fläche ist im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises als „Vorranggebiet für Natur und Landschaft“ festgelegt. In einer gemeinsamen Pressemitteilung der Umweltverbände heißt es: „Die Kreisgruppe des BUND und des NABU protestieren nachdrücklich und auf das Schärfste gegen die geplante Änderung des LROP und den vorgesehenen Torfabbau. Der Torfabbau wäre aus Gründen des Artenschutzes und des Klimaschutzes unverantwortlich.“
Für die Verbände ist es also nicht nachvollziehbar und nicht hinnehmbar, dass der Forderung der Bundesvereinigung der Torf- und Humuswirtschaft entsprochen werden soll, die 63 Hektar große Hochmoorfläche abzutorfen. Der geplante Abbau des Hochmoor-Grünlandblocks bei Georgsdorf steht in krassem Widerspruch zu den erklärten Zielen der niedersächsischen Landesregierung zum Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt.
Der Landkreis Grafschaft Bentheim hatte Mitte der 1990er-Jahre den etwa 300 Meter breiten Hochmoor-Grünlandbereich gesichert. Die jetzt zur Abtorfung vorgeschlagene Fläche ist im Raumordnungsprogramm als Kompensationsfläche für erfolgte Torfabbauten festgesetzt. Eine Abtorfung widerspricht den Vereinbarungen mit den Naturschutzverbänden und den Zielen der Ausweisung als Vorranggebiet für Natur und Landschaft.
Allein aus Gründen des Klimaschutzes ist der geplante Torfabbau nicht zu rechtfertigen. Moore erfüllen eine sehr wichtige Funktion als Kohlenstofflager. In Mooren lagert doppelt so viel Kohlenstoff wie in allen Wäldern der Erde. In einer 15 Zentimeter mächtigen Torfschicht in Deutschland befindet sich auf gleicher Fläche etwa so viel Kohlenstoff wie in einem 100-jährigen Wald. Geschädigte Moore gehören zu einer der größten Treibhausgas-Quellen. Bei der Entwässerung und landwirtschaftlichen Nutzung von Mooren entsteht neben Kohlendioxid vor allem Lachgas (Distickstoffmonoxid). Dessen Klimawirksamkeit ist 298-mal höher als die von Kohlendioxid und zwölf Mal höher als die von Methan. Durch eine Zerstörung des Hochmoor-Grünlandblocks bei Georgsdorf würden in kürzester Zeit klimaschädliche Gase mobilisiert, die vorher in etwa 10000 Jahren festgelegt wurden.
Der geplante Torfabbau würde die Korridorfunktion des Hochmoorblocks unterbinden. Der Hochmoor-Grünlandbereich verbindet die beiden Gebietsteile des EU-Vogelschutzgebietes „Dalum-Wietmarscher Moor und Georgsdorfer Moor“. Er grenzt östlich unmittelbar an den Gebietsteil „Dalum-Wietmarscher Moor“ und westlich mittelbar an den Gebietsteil „Georgsdorfer Moor“. Der Hochmoorblock stellt daher eine unersetzbare Verbindungszone für gefährdete Tier- und Pflanzenarten zwischen den Wiedervernässungsbereichen und Lebensräumen des Vogelschutzgebietes dar. Die bereits getätigten Investitionen für die Wiedervernässung des angrenzenden Vogelschutzgebietes sowie für die naturschutzfachliche Entwicklung des Hochmoorblocks wären unwiederbringlich verloren.
Laut Umweltbericht zur geplanten Änderung des Landesprogramms zur Raumordnung würden durch das Vorhaben „voraussichtlich schwerwiegende Beeinträchtigungen von Flächen des niedersächsischen Moorschutzprogramms mit einer hohen naturschutzfachlichen Bedeutung sowie regionaler/nationaler Bedeutung für Brutvögel auftreten.“ Der Umweltbericht kommt zu dem Fazit, dass großflächig erhebliche, teils schwerwiegende und nicht ausgleichbare belastende Umweltauswirkungen insbesondere für das Schutzgut Tiere/Pflanzen zu erwarten sind.
Zudem ist der Hochmoor-Grünlandbereich der letzte verbliebene Hochmoorkörper in der Grafschaft. Er ist aufgrund seiner einmaligen Struktur nicht zu ersetzen. Außerdem weist die Fläche erhebliches archäologisches Potenzial auf. Der Abbau würde zu dessen vollständigem Verlust führen.
Im November 2010 fand zur Unterstützung unserer Forderung, den 300m-Block im Georgsdorfer Moor dauerhaft zu sichern, ein Ortstermin statt. Geladen waren die Kreisausschussmitglieder sowie Politiker aller Parteien und die untere Naturschutzbehörde. Eine Exkursion führte die Anwesenden durch Teile des 3oom-Blocks und sollte auf die Notwendigkeit seines Erhaltes als letzten in der Grafschaft Bentheim verbliebenen Moorteil sowie seine Funktion als verbindender Korridor zwischen dem Vogelschutzgebieten „Dalum-Wietmarscher Moor“ und „Georgsdorfer Moor“ deutlich machen. Ein Presseartikel erschien einige Tage später. Der Landkreis Grafschaft Bentheim hat sich mittlerweile ebenso gegen den Antrag der Torfindustrie zum Abbau des 300m-Blockes ausgesprochen. Entscheidend wird allerdings das Votum des Landes im Frühjahr 2011 sein. Wir bleiben am Ball.
e) „Zukunftswerkstatt Geologie und Naturerlebnis“
In Bad Bentheim und Losser wurde eine gemeinsame „Zukunftswerkstatt Geologie und Natur“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, diese beiden Themen touristisch, aber auch für Bildungsangebote grenzüberschreitend besser aufzubereiten. Geologie und Natur bieten in der Grafschaft und im Nordosten der Twente einzigartige Perspektiven. Davon sind zwei Initiativen in Bad Bentheim und Losser überzeugt. Zum einen plant die „Stichting Steenfabriek De Werklust“ in Losser, das Museum in einer ehemaligen Ziegelei zu einem Erfahrungszentrum unter dem Titel „Earth4Adventure“ auszubauen. In Bad Bentheim arbeitet seit zwei Jahren der „Arbeitskreis Schlüters Kuhle“ daran, den ehemaligen Steinbruch zu einem Ort zu entwickeln, an dem die Historie des Sandsteinabbaus sowie Geologie und Ökologie erfahrbar werden.
Ob und inwieweit sich beide Ansätze zu einem umfassenderen, grenzüberschreitenden Projekt sowohl mit einem touristischen als auch mit einem Bildungsschwerpunkt entwickeln lassen, das wollten beide Orte nun gemeinsam in der Zukunftswerkstatt ergründen, die im November in Bad Bentheim und Losser stattfand und vom BUND begleitet wurde.
Nach einem Empfang im Sandsteinmuseum führte ein Vertreter des BUND die etwa 25 Personen umfassende Gruppe durch den Schlosspark, zur Schlüters Kuhle und zum Walderlebnispfad Bentheimer Wald. Hier erläuterte er die hier eingerichteten Erlebnispfade und die ökologische Bedeutung des alten Steinbruches nahe des Zentrums der Stadt Bad Bentheim.
Fortgesetzt wurde der erste Workshoptag in Losser, wo drei Workshops stattfanden, in denen – begleitet durch eine zweisprachige Moderation – Ideen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit entwickelt wurden. Hier stand es den Teilnehmern frei, sich mit den Themen „Geologie im Grenzgebiet“, „Grenzenlose Natur und Landschaft“ sowie „Historie der Steingewinnung und -verwertung“ zu beschäftigen.
Später folgte ein Treffen im Haus des Kurgastes am Bade in Bad Bentheim. Dort standen die Themen „Vermarktung“, „Bildung“ und „Forschung“ auf dem Programm.
Im Dezember wurden die Ergebnisse der beiden workshops präsentiert.
Im Folgenden sind ausgewählte Zielsetzungen des Projektes aufgeführt:
- Es soll die touristische Attraktivität der Region gesteigert werden: Den Besuchern werden
neben den bekannten Highlights und Attraktionen weitere sehens- und lernenswerte
Aspekte auf deutscher wie niederländischer Seite erschlossen.
- Es soll in das Bewusstsein bei den Bewohnern innerhalb und außerhalb der Euregio gelangen, dass Bad Bentheim und Losser neben Burg, Kurbad, Dinkel noch mehr zu bieten haben: Geologie, (Sand-)Steingewinnung, Natur und Landschaft.
- Die Themen Geologie, Steingewinnung und Natur sollen auf innovative Art und Weise und spannend vermittelt werden. Touristen/Schüler/Jugendliche sollen die Themen erfahren, interaktiv erarbeiten und erleben.
- Die Region Bad Bentheim-Losser birgt zahlreiche geologische Phänomene auf engstem Raum und bietet einzigartige Einblicke in die Erdgeschichte. Die Steingewinnung (Bentheimer Sandstein, Ziegeleien usw.) hat die gesamte Region kulturhistorisch geprägt.
- Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit verschiedener Organisationen (u.a.
Arbeitskreis Schlüters Kuhle, Earth4Adventure) soll insbesondere der grenzüberschreitende
Tourismus gefördert werden.
- Darüber hinaus ist als ein Fernziel die mögliche Einbettung des Projekts in einen Geopark
formuliert worden. Auf niederländischer Seite bestehen bereits Pläne zur Gründung eines
Geoparks Noord-Oost Twente. Es besteht weitreichender Konsens darüber, dass die Einbeziehung der Region Bad Bentheim aus geologischen Gesichtspunkten unverzichtbar ist. Die in diesem Projekt vorgeschlagenen Aktivitäten können insofern als Schritte hin zu einem möglichen Geopark betrachtet werden, in den diese ggf. später eingebettet werden können.
f) Biogasanlagen und Massentierhaltung
Biogasanlagen
Biogasanlagen sieht der BUND Grafschaft Bentheim als eine der Säulen Erneuerbarer Energien und Mittel, die ehrgeizigen Klimaschutzziele in Niedersachsen zu erreichen. Gleichzeitig warnt die BUND-Kreisgruppe aber auch vor „blinder Euphorie“. Geradezu gefährlich ist es, wenn der Anbau von „Energiepflanzen“ in Konkurrenz mit Nahrungsmitteln tritt. Eine Lösung dieses Problems könnte sein, zu einem Teil Mahdgut von Straßenseitenräumen oder den Inhalt von Komposttonnen in Biogasanlagen zu verwenden.
In der direkten Umgebung von landwirtschaftlichen Biogasanlagen in unserer Region ist häufig ein hoher Anteil an Maisfeldern festzustellen – auch in Gegenden, in denen bisher kaum landwirtschaftliche Tierhaltung mit Gülle(-überschüssen) und daher auch kein Maisanbau (zu Futterzwecken) vorhanden ist. Vorteile der Biomasse ist deren Speicherbarkeit, Variabilität als feste, flüssige und gasförmige Energieträger und die zeitlich gezielte Bereitstellung von Energien, insbesondere von Strom für Grundlast und Regellast. Vorteilhaft sind auch die regionale, dezentrale Bereitstellung und die Einbindung in eine regionale, umweltgerechte Land- und Waldwirtschaft. Energie aus Biomasse stellt eine optimale Ergänzung zur Wind- und Solarenergie dar und kann deren zeitliche Leistungsschwankungen ausgleichen.
Eine CO2-neutrale Energienutzung sowie die Möglichkeit zur Ausweitung der Verdienstmöglichkeiten in der Landwirtschaft sind grundsätzlich zu begrüßen, meint der BUND. Andererseits ist das Potenzial der energetisch nutzbaren Biomasse begrenzt. Der Anbau von Energiepflanzen kann sowohl in Konkurrenz mit dem Anbau von Nahrungsmitteln als auch in Konflikt mit dem Naturschutz treten.
Daher warnt der BUND: Mit der zunehmenden Anbaufläche für Energiepflanzen wird sich das Landschaftsbild in der Grafschaft Bentheim weiter verändern und damit auch der Lebensraum vieler wild lebender Pflanzen- und Tierarten negativ beeinflusst.
Die aktuell vorherrschende Praxis des Energiepflanzenanbaus (Grünlandumbruch, fast ausschließlicher Anbau von Mais, Weizen und Raps) und Verwertung in Biogasanlagen führt zu einem Rückgang der Artenvielfalt, zu einem erhöhten Pflanzenschutzmittel- und Düngereinsatz und senkt den ohnehin niedrigen Humusgehalt unserer Böden noch weiter.
Der BUND wendet sich „gegen eine blinde Euphorie zugunsten von Bioenergien, die zulasten von Mensch und Natur geht“, und gegen undifferenzierte Kritik, die nur dem Fortbestand der fossil-nuklearen Energien dient, wenn keine Perspektive zur nachhaltigen Bioenergienutzung eröffnet wird.
Die BUND-Ziele zur sinnvollen energetischen Nutzung von Biomasse lauten:
• Priorität für die Nutzung von biologischen Abfall- und Reststoffen aus der Land- und Forstwirtschaft sowie aus häuslichen und betrieblichen Bioabfällen.
• Der Anbau von Lebens- und Futtermitteln hat Vorrang vor Energiepflanzen. Die energetische Nutzung von Biomasse hat ohne Gentechnik zu erfolgen und muss in die hundertprozentige Umstellung der Landwirtschaft auf ökologische Anbaumethoden eingebunden werden.
• Anbau und Entnahme von Biomasse müssen den Zielen des Natur- und Gewässerschutzes sowie der Landschaftspflege entsprechen.
Der BUND vermisst eine Koordination und regionale Steuerung dieser Entwicklung. Eine höhere räumliche Konzentration von Biogasanlagen kann nicht im Sinne der Anlagenbetreiber sein, die an einer sicheren, ausreichenden und günstigen Substratversorgung interessiert sind. Wünschenswert ist daher, dass große Mengen an organischer Substanz aus anderen Wirtschaftsbereichen bald auch für eine energetische Verwertung zugänglich gemacht werden – also Klärrückstände, Mahdgut, Gartenabfälle/Grasschnitt sowie die Inhalte aus Komposttonnen.
Massentierhaltung
Die BUND-Kreisgruppe Grafschaft Bentheim fordert vom Landkreis einen sofortigen Genehmigungsstopp für Anlagen zur Massentierhaltung und hat dies nach eigenen Angaben bereits Landrat Friedrich Kethorn übermittelt. Hintergrund ist der Genehmigungsstopp, den der Landrat des Kreises Emsland vor Kurzem ausgesprochen hat.
Im Zusammenhang mit einem dortigen Genehmigungsverfahren hatte ein Fachanwalt darauf hingewiesen, dass bei allen bisherigen Genehmigungsverfahren keine ausreichende Prüfung des Brandschutzes stattgefunden habe. Die Niedersächsische Bauordnung schreibt nach BUND-Angaben vor, dass bauliche Anlagen so beschaffen sein müssen, dass bei einem Brand auch die Tiere gerettet werden können. Der BUND vermutet, dass auch im Landkreis Grafschaft Bentheim die gesetzliche Forderung nicht im notwendigen Umfang geprüft wurde.
Der Kreis Emsland gründet seinen Genehmigungsstopp außerdem auf den Entwurf einer neuen VDI-Richtlinie 4250 zur Gesundheitsbelastung durch Emissionen aus Tiermastställen. Auf Basis dieser Richtlinie wird der Landkreis Emsland künftig ein Keimgutachten für Anlagen fordern, die nach Bundesimmissionsschutzgesetz zu genehmigen sind. Im Ergebnis werde es zu deutlich größeren Abständen zu einer Wohnbebauung kommen als bisher.
Für die Umwelt- und Naturschützer der Grafschafter Kreisgruppe ist von besonderer Bedeutung, dass das Landes-Sozialministerium und das Landwirtschaftsministerium die verschärften Bestimmungen des Landkreises Emsland für rechtlich zulässig und aus tierschutzrechtlicher Sicht für positiv halten und die übrigen Landkreise ermuntern, entsprechend zu verfahren.
Im November 2010 nahmen Vertreter des BUND an der Gründungsversammlung eines Aktionsbündnisses gegen Massentierhaltung in Surwold/Emsland teil.
Nach intensiver Diskussion stimmte der Vorstand dem Beitritt der KG zu diesem Bündnis zu.
Weiteres zum Bündnis gibt es unter www.bauernhoefe-statt-agrarfabriken.de
Der BUND richtet die Bitte an den Landkreis, alsbald ein Leitbild für die Struktur der Landwirtschaft im Kreis Grafschaft Bentheim zu erarbeiten und sich nach dem Vorbild anderer Landkreise deutlich gegen die bedrohlich wachsende Agrarindustrialisierung durch riesige Geflügel-, Mast- und nun auch Milchviehanlagen und für die Unterstützung einer mittelständisch-bäuerlichen Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung auszusprechen.
g) Gestaltung und Pflege von Biotopen
Auf der Fläche Ostervenn war erneuter Aufwuchs (Kiefern, Birken, Weiden) zu verzeichnen. Gut ausgeprägt ist das Vorkommen von Sonnentau und Bärlapp im Uferbereich. Um diese zu erhalten, fand im Januar ein Pflegeeinsatz des BUND und des Bauhofes der Stadt Nordhorn statt. Auffallend im Bereich der Kompensationsflächen war das starke Wachstum standortfremder Gehölze, vor allem der Späten Traubenkirsche, die Teile der Fläche allmählich zuwuchern. Aus diesem Grunde wurde die Hecke von standortfremden Gehölzen befreit, so dass die wenigen bereits vorhandenen Gehölze wie Stieleiche und Eberesche sich ausdehnen und langfristig zusammen mit neu gepflanzten Gehölzen eine standorttypische Feldgehölzhecke bilden können.
Um Pflege und Erhaltung historischer Kopfweiden im Heseper Feld kümmerten sich Stadt Nordhorn und die Kreisgruppe des BUND vor kurzem gemeinsam. Kopfbäume verdanken ihre charakteristische Wuchsform der menschlichen Nutzung. Die Bäume lieferten früher Schnittmaterial zur Gewinnung von Brennholz, Flechtmaterial, Viehfutter und Stalleinstreu.
Kopfbäume, vor allem Weiden, sind auch in der Grafschaft landschaftsprägende Zeitzeugen sowie Nahrungsrundlage und Lebensraum für viele Tierarten. Die Bestände der Kopfbäume sind jedoch deutlich zurückgegangen. Noch vorhandene Kopfbäume werden vielfach nicht mehr gepflegt.
Ein regelmäßiger Schnitt der Bäume führt im Laufe der Jahre zu der typischen Kopfform der Weiden. Durch die zahlreichen entstehenden Schnittstellen können Pilzsporen und Wasser in den Baumstamm eindringen. Diese zerstören das Kernholz und der Baumstamm höhlt aus.
Alte Kopfweiden mit Stammhöhlen stellen beispielsweise eines der wichtigsten Bruthabitate für den bedrohten Steinkauz sowie den Wendehals, Gartenrotschwanz und Trauerschnäpper dar. Daneben finden zahlreiche auf die Weide angewiesene Käferarten und Totholzbewohner in den dickstämmigen moderholzreichen Kopfbäumen einen Lebensraum wie z.B. der Moschusbock und der Weidenbohrer. Die hohlen Stämme sind auch Wohnstätten für Wiesel, Marder, Fledermäuse und Hornissen. Die früh blühenden Weiden mit ihren vielen Kätzchen-Blüten bieten Bienen im Frühjahr erste Nahrung. Kopfbäume können dem Weidevieh als Unterstand und Schattenbäume dienen.
Auch im Naturschutzgebiet Hochmoor Ringe waren Naturschützer des BUND wieder im Einsatz gegen den Wuchs unerwünschter Gehölze.
Das 145 Hektar große Naturschutzgebiet Hochmoor Ringe ist geografisch der westlichste Teil des Südlichen Bourtanger Moores in der Grafschaft. Von 1999 bis 2005 wurden in einem Teil des Naturschutzgebietes im Rahmen eines Wiedervernässungsprojektes in einer Länge von rund 1400 Metern Gräben geschlossen und angestaut sowie private Flächen in öffentliches Eigentum überführt. Auslöser war ein Angebot an den BUND, in ein Naturschutzprojekt 100000 Mark aus Mitteln der Sparkassenstiftung einzubringen.
Nach jahrzehntelanger Entwässerung im Interesse landwirtschaftlicher Nutzung auf dem Hochmoorstandort und nachfolgender Unterschutzstellung zur Erhaltung des Hochmoorrestes, galt es im Rahmen des Wiedervernässungsprojekts so viel Regenwasser wie möglich im Gebiet zurück zu halten. Die Regenbilanz der trockenen letzten Jahre sind jedoch für die Gebietsentwicklung äußerst ungünstig gewesen, allerdings nicht für den natürlichen Prozess der Entwicklung von Gehölzaufwuchs als Beginn einer Waldentwicklung.
Da vor allem Birken .jedes Jahr mehrere Kubikmeter Wasser aus dem Boden saugen und verdunsten würden, gilt es den Gehölzaufwuchs im Rahmen von regelmäßigen Pflegemaßnahmen zu bekämpfen.
Bereits im Februar rückten routinierte Mitarbeiter des Tierparks, unterstützt von Helfern des BUND und der Jägerschaft den unerwünschten Gehölzen mit Motorsäge, Freischneider und anderem Werkzeug zu Leibe. Der noch gefrorene Boden erleichterte dabei das Betreten der Flächen.
h) Besondere Maßnahmen zum Schutz von gefährdeten Pflanzen und Tieren
Die Fertigstellung des in Zusammenarbeit zwischen dem Vogelschutz- und zuchtvereins
Uelsen, des BUND und der Naturschutz-AG der Realschule Bad Bentheim konzipierten
Wildbienenstandes an der alten Kläranlage in Uelsen erfolgte im März 2010. Mit Hilfe
eines Traktors wurde das massive Eichengerüst aufgestellt und in Beton verankert.
Unterschiedliche Behausungen für Solitärbienen, die größtenteils von Schülern fertiggestellt
worden waren, wurden im Gestell befestigt. Ein Informationsschild, das über verschiedene
Solitärbienenarten informiert, ergänzt den Wildbienenstand, der vom vorbeiführenden
Radweg aus zu Fuß erreicht werden kann.
Zusätzlich zu den 6 Nisthilfen für Höhlenbrüter und 6 Sommerquartiere für Fledermäuse, die
mittlerweile im Bereich der alten Kläranlage in Uelsen angebracht wurden, wurde auf einem
diesem Areal angrenzenden und dem Vogelschutzverein Uelsen auch in Patenschaft
überlassenen Erlenbruchwald eine Steinkauzröhre montiert.
Von zwei Wochen pflanzten Mitglieder des Vereins und des BUND 75 Haselnuss-, Schlehen- und Holundersträucher in den Biotop.
Eine ausgediente Trafostation in Hohenkörben wurde in Zusammenarbeit zwischen einem Landwirt und Mitarbeitern des BUND mit Fledermaushöhlen sowie einem Schleiereulenkasten bestückt. Außen am Gebäude wurde ein Turmfalkenkasten angebracht.
Ein Schleiereulenkasten wurde auch in Hoogstede bei einem Landwirt in einer Scheune aufgehängt.
Es fanden mehrere Gespräche mit der UNB zur Problematik der Amphibienwanderungen statt. Hintergrund ist, dass sich mehrere Anwohner von Straßen meldeten, auf denen Amphibien bei ihrer Wanderung zu den Laichplätzen totgefahren werden. Der Landkreis sieht sich augenblicklich nicht aus unterschiedlichen Gründen in der Lage, weitere Schutzmaßnahmen einzurichten.
i) Naturschutzarbeit mit Kindern und Jugendlichen
Im März 2010 wurde zusammen mit Schülern der Naturschutz-AG der Realschule Bad Bentheim, der Naturschutzstiftung sowie des BUND eine etwa 100 m lange Hecke aus heimischen Laubgehölzen im Bereich des Bentheimer Waldes gepflanzt.
Auch im letzten Jahr wurde die Kreisgruppe des BUND von verschiedenen Kommunen gebeten, an der Ferienpassaktion teilzunehmen. Wir bereiteten Holz vor und bauten in Emlichheim, Uelsen, Nordhorn, Wietmarschen, Bad Bentheim und Schüttorf mit etwa 120 Kindern aus den vorgefertigten Holzteilen Nisthilfen für Höhlenbrüter.
Gemeinsam bauten Eltern und Schüler der „Erich-Kästner-Schule“ Schüttorf unter Anleitung der Naturschutz-AG der Bad Bentheimer Realschule und des BUND Nistkästen.
Einige der Angebote der Schule, die von Schlittschuhlaufen, über Kochnachmittage, Tierparkbesuche mit Quiz, Minigolf bis zum gemeinsamen Bowlen und dem Bau von Nistkästen reichten, wurden zusammen mit Kooperationspartnern, wie dem Kinderschutzbund und dem BUND angeboten.
Die Naturschutz AG der Realschule hatte die Hölzer für die Nistkästen vorgefertigt, so dass die Eltern und ihre Kinder die Kästen nur noch zusammen bauen mussten und im Anschluss einen Kasten mit nach Hause nehmen konnten. Elf Kinder, sechs Erwachsene und vier Schüler der Realschule beteiligten sich an der Aktion. In einem Film wurde gezeigt, was in den Nistkästen eigentlich passiert, wenn die Bewohner eingezogen sind. Fragen wie „Wozu sind Nistkästen eigentlich da?“ und „Was fressen Vögel?“, beantwortete der Film und führte zu weiteren Erkenntnissen in Bezug auf den Naturschutz.
Der BUND hatte finanzielle Mittel für die Kofinanzierung bereit gestellt.
Weiter unterstützt die Kreisgruppe des BUND Schüler des Nordhorner Gymnasiums, die mit ihrem Lehrer ein Gewässer an der Euregiostraße langfristig betreuen und pflegen wollen.
j) Öffentlichkeitsarbeit
Im vergangenen Jahr beteiligte sich die Kreisgruppe des BUND an unterschiedlichen Ausstellungen und Präsentationen.
Im August präsentierte sich der BUND im Rahmen der 125-Jahr-Feier des Landkreises im Innenhof des Kloster Frenswegen. „Tipis“ zum Thema „Wildkatzen in Niedersachsen“ luden Besucher ein, sich über die Verbreitung der Wildkatze in unserem Bundesland zu informieren. Neben Auslagen zu diesem Thema und einem Quiz für Kinder wurde an einer Stellwand über das Vechteauenkonzept sowie zahlreiche andere Aktivitäten der Kreisgruppe berichtet. Gespräche über verschiedenste Themen zum Natur- und Artenschutz wurden geführt. Kleine Gewinne wurden den Kindern zugestellt.
Der Tierpark Nordhorn schließlich veranstaltete im September einen Familientag, auf dem der BUND ebenso mit der Ausstellung „Wildkatzen“ präsent war. Zudem wurde – ähnlich wie auf der Präsentation im Kloster Frenswegen – über die Aktivitäten der Kreisgruppe berichtet. Auch ein Quiz für Kinder mit kleinen Überraschungen wurde ausgelegt.
Seit vorigem Jahr gibt es den „Walderlebnispfad Bentheimer Wald“. Der rund 3,2 Kilometer lange Rundkurs umfasst 16 Stationen. Gestartet werden kann am Bentheimer Kurhaus oder bei der Gaststätte „Beim Waldbauern“ in Quendorf. Große und kleine Besucher haben die Möglichkeit, zum Beispiel die Stimmen des Waldes kennen zu lernen, sich im Weitsprung mit den Waldtieren zu messen oder auch mit dem Baumtelefon zu telefonieren.
Für Schulgruppen, Vereine, Geburtstage oder Familien hat der BUND nun zwei unterschiedlich schwere Rallyes für den „Walderlebnispfad Bentheimer Wald“ entwickelt: Die Rallye A ist für jüngere, die Rallye B für ältere Teilnehmer gedacht.
Wer also auf unterhaltsame, spielerische Weise mehr über den Bentheimer Wald erfahren möchte, kann die Rallyes entweder beim Pluspunkt Schüttorf oder in der Touristinformation Bad Bentheim abholen oder unter www.badbentheim.de abrufen. Zum Prüfen der eigenen Antworten sind dort auch die richtigen Ergebnisse hinterlegt.
Die Gemeinde Wietmarschen möchte auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz einen Lehrpfad anlegen und bat den BUND um Unterstützung. Ein Ortstermin, an dem ein Vertreter Wietmarschens, eine Vertreterin eines Planungsbüros aus Wallenhorst sowie Vertreter des BUND teilnahmen, fand zunächst zu Informationsgründen auf dem Walderlebnispfad im Bentheimer Wald statt. Mittlerweile wurden die Vorschläge des Planungsbüros in den Reihen des BUND diskutiert. Im Frühjahr sollen bei einem Ortstermin die Route des Weges sowie die Stationen festgelegt werden.
Im Berichtszeitraum führte die Kreisgruppe des BUND die folgenden öffentlichen Veranstaltungen in Form von Exkursionen und Vorträgen durch:
Exkursion: Der Samerott im Frühling - eine
Waldexkursion.
Exkursion: Naturkundliche Wanderung am Langen Berg bei Hesingen.
Vortrag und Exkursion: Einheimische Pilze im Bentheimer Wald
3 Exkursionen: Der Walderlebnispfad Bentheimer Wald
Durch den Versand unserer Infobriefe, die eine Übersicht über die wichtigsten Aktivitäten der Kreisgruppe zusammenfassten, über neue Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz in der Grafschaft informierten sowie Hinweise z.B. zur ökologischen Gartengestaltung enthielten, wurden unsere Mitglieder über die Arbeit des Vorstandes unterrichtet.
Zahlreiche Veröffentlichungen in den „Grafschafter Nachrichten“ und in anderen Regionalzeitungen sowie durch Interviews in der „Ems-Vechte-Welle“ zu aktuellen umweltrelevanten Themen, aber auch weitere, oben nicht erwähnte Führungen zu Fragen des Umwelt- und Naturschutzes bildeten einen weiteren Bereich unserer Öffentlichkeitsarbeit.
3. Stellungnahmen aufgrund § 29 BNatGes.
Die Kreisgruppe des BUND wurde im Berichtszeitraum von Landkreis, Bezirksregierung, Straßenbauverwaltungen, Flurbereinigungsbehörden, Naturschutzverbänden und Kommunen 25 mal zu Erörterungen und Gesprächen geladen; zahlreiche Ortstermine und wurden wahrgenommen, viele Exkursionen durchgeführt sowie 30 schriftliche Stellungnahmen abgegeben.
Auch mit Naturschutzverbänden jenseits der deutsch-niederländischen Grenze bestehen- wie berichtet – Kontakte, die letztlich eine Grundlage für gemeinsame Projekte bilden können.
4. Mitgliederbewegung und Mitarbeit der Mitglieder
Die zuletzt von unserem Landesverband in Hannover mitgeteilte Mitgliederzahl beträgt 206.
Die geschilderten Aktivitäten unserer Kreisgruppe ruhen allerdings zum überwiegenden Teil auf den Schultern des engeren Vorstandes. Erfreulicherweise konnten wir einige Interessierte für die Arbeit im Vorstand gewinnen.
Der Vorstand wünscht sich dennoch mehr Interesse an seiner Arbeit und mehr Engagement seiner Mitglieder an der Naturschutzarbeit in der Grafschaft Bentheim im Rahmen der Kreisgruppe.
Auch durch die Anwerbung neuer Mitglieder kann die Arbeit im Umwelt- und Naturschutz unterstützt werden.
5. Ausblick
Die Schwerpunkte der Kreisgruppenarbeit des BUND werden auch in Zukunft sehr unterschiedlich sein.
Dennoch sollen einige Ziele formuliert werden:
Ein Hauptanliegen wird ebenso wie in den vergangenen Jahren der Versuch sein, unsere Fließ- und Stillgewässer mit ihren ökologischen Besonderheiten in die Landschaft einzubeziehen. Dabei sind wir bestrebt - im Sinne des von uns entwickelten Vechteauenkonzeptes und der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie -, mit Hilfe der Landeigentümer und - nutzer sowie den zuständigen Behörden langfristig eine Umwandlung der noch beackerten Flächen in ausgewählten Abschnitten des Vechtetales in Grünland zu erreichen, wobei letztlich eine extensive Bewirtschaftung das Ziel ist. Weiteres Bemühen soll dem Anschluss von ausgewählten Altarmen an die Vechte und die Renaturierung von kleinen Fließgewässern gelten. Durch eine auenangepasste Land- und Forstbewirtschaftung sollen Überschwemmungsgebiete der Fließgewässer so entwickelt werden, dass sich eine Artenvielfalt der Flora und Fauna in unterschiedlichen - auch vom Menschen beeinflussten und geformten - Lebensräumen entfalten kann.
Wir wollen uns dafür einsetzen, dass auf kommunaler und Kreisebene Planungen, die einen immer weiter fortschreitenden Land- und Landschaftsverbrauch in der Grafschaft zur Folge haben, ausschließlich nach umfangreichen Umweltverträglichkeitsuntersuchungen und Abwägung sowohl der wirtschaftlichen als auch der landschaftlichen und ökologischen Gegebenheiten umgesetzt werden und entsprechende sinnvolle Kompensationsmaßnahmen erfolgen.
Kritisch ist die Planung eines Ferien- und Freizeitparkes im ehemaligen Depot Itterbeck zu sehen. Aus Sicht des BUND stimmt das Vorhaben nicht mit den Zielen und Grundsätzen der Raumordnung überein. Der im RROP des Landkreises Grafschaft Bentheim formulierte Anspruch, durch die Realisierung von Fremdenverkehrs-, Erholungs- und Freizeiteinrichtungen dürfe der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen nicht gefährdet werden, wird mit den vorgelegten Planungen nicht erfüllt. Der BUND lehnt deshalb die Planungen für das Freizeitpark-Großprojekt in der vorliegenden Form ab.
Neben der Fortführung der im Vorstandsbericht angesprochenen Aktivitäten ist uns die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie Schulen wichtig, um in der heranwachsenden Generation Verständnis für die Natur und unsere Umwelt und ihren notwendigen Schutz zu wecken.

Die Vechte – Mittelpunkt des Vechteauenkonzeptes der BUND Kreisgruppe Grafschaft Bentheim
Foto: BUND
Exkursion: „Pilze im Bentheimer Wald: Eine Wanderung zum Kennenlernen heimischer Pilze“
Durch den Versand unserer Infobriefe, die eine Übersicht über die wichtigsten Aktivitäten der Kreisgruppe zusammenfassten, über neue Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz in der Grafschaft informierten sowie Hinweise z.B. zur ökologischen Gartengestaltung enthielten, wurden unsere Mitglieder über die Arbeit des Vorstandes unterrichtet.
Zahlreiche Veröffentlichungen in den „Grafschafter Nachrichten“ und in anderen Regionalzeitungen sowie durch Interviews in der „Ems-Vechte-Welle“ zu aktuellen umweltrelevanten Themen, aber auch weitere, oben nicht erwähnte Führungen zu Fragen des Umwelt- und Naturschutzes bildeten einen weiteren Bereich unserer Öffentlichkeitsarbeit.
3. Stellungnahmen aufgrund § 29 BNatGes.
Die Kreisgruppe des BUND wurde im Berichtszeitraum von Landkreis, Bezirksregierung, Straßenbauverwaltungen, Flurbereinigungsbehörden, Naturschutzverbänden sowie Städten und Gemeinden 34 mal zu Erörterungen und Gesprächen geladen; zahlreiche Ortstermine und wurden wahrgenommen, viele Exkursionen durchgeführt sowie 56 schriftliche Stellungnahmen abgegeben.
Auch mit Naturschutzverbänden jenseits der deutsch-niederländischen Grenze bestehen- wie berichtet – Kontakte, die letztlich eine Grundlage für gemeinsame Projekte bilden können.
4. Mitgliederbewegung und Mitarbeit der Mitglieder
Die zuletzt von unserem Landesverband in Hannover mitgeteilte Mitgliederzahl beträgt 198.
Die geschilderten Aktivitäten unserer Kreisgruppe ruhen allerdings zum überwiegenden Teil auf den Schultern des engeren Vorstandes. Erfreulicherweise konnten wir Interessierte für die Arbeit im Vorstand gewinnen.
Der Vorstand wünscht sich dennoch mehr Interesse an seiner Arbeit und mehr Engagement seiner Mitglieder an der Naturschutzarbeit in der Grafschaft Bentheim im Rahmen der Kreisgruppe.
Auch durch die Anwerbung neuer Mitglieder kann die Arbeit im Umwelt- und Naturschutz unterstützt werden.
5. Ausblick
Die Schwerpunkte der Kreisgruppenarbeit des BUND werden auch in Zukunft sehr unterschiedlich sein.
Dennoch sollen einige Ziele formuliert werden:
Ein Hauptanliegen wird ebenso wie in den vergangenen Jahren der Versuch sein, unsere Fließ- und Stillgewässer mit ihren ökologischen Besonderheiten in die Landschaft einzubeziehen. Dabei sind wir bestrebt - im Sinne des von uns 1998 entwickelten Vechteauenkonzeptes und der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie -, mit Hilfe der Landeigentümer und - nutzer sowie den zuständigen Behörden langfristig eine Umwandlung der noch beackerten Flächen in ausgewählten Abschnitten des Vechtetales in Grünland zu erreichen, wobei letztlich eine extensive Bewirtschaftung das Ziel ist. Weiteres Bemühen soll dem Anschluss von ausgewählten Altarmen an die Vechte und die Renaturierung von kleinen Fließgewässern gelten. Durch eine auenangepasste Land- und Forstbewirtschaftung sollen Überschwemmungsgebiete der Fließgewässer so entwickelt werden, dass sich eine Artenvielfalt der Flora und Fauna in unterschiedlichen - auch vom Menschen beeinflussten und geformten - Lebensräumen entfalten kann.
Weiter werden wir uns darum bemühen, das bereits oben erwähnte und in geringen Umfang aufgenommene Projekt „Lerchenfenster“ zusammen mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises weiter voranzutreiben.
Wir wollen uns dafür einsetzen, dass auf kommunaler und Kreisebene Planungen, die einen immer weiter fortschreitenden Land- und Landschaftsverbrauch in der Grafschaft zur Folge haben, ausschließlich nach umfangreichen Umweltverträglichkeitsuntersuchungen und Abwägung sowohl der wirtschaftlichen als auch der landschaftlichen und ökologischen Gegebenheiten umgesetzt werden und entsprechende sinnvolle Kompensationsmaßnahmen erfolgen.
Etwa 80% der Verbraucherinnen und Verbraucher lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel für sich ab und zahlreiche Landwirten wollen gentechnisch Saat- und Futtermittel wegen des nicht kalkulierbaren ökologischen Risikos auf ihren Betrieb nicht einsetzen. Wir sehen die Gefahr, dass eine Wahlfreiheit zwischen gentechnikfreien und gentechnisch veränderten Lebensmitteln mehr und mehr eingeschränkt wird.
Daher unterstützt der BUND die Bemühungen um eine gentechnikfreie Grafschaft Bentheim.
Neben der Fortführung der im Vorstandsbericht angesprochenen Aktivitäten ist uns die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie Schulen wichtig, um in der heranwachsenden Generation Verständnis für die Natur und unsere Umwelt und ihren notwendigen Schutz zu wecken.
Vortrag von Herrn Dieter Jäckel : „ Planungen und Überlegungen für die Vechte und weiterer Gewässer vor dem Hintergrund der EG-Wasserrahmenrichtlinie“
Nach einem kurzen Überblick über die rechtlichen Bestimmungen der EG-Wasserrahmenrichtlinie stellt Herr Jäckel die Arbeit der Unteren Wasserbehörde vor diesem rechtlichen Hintergrund vor:
Zunächst wurde in Zusammenarbeit mit dem NLWKN Meppen eine flächendeckende Bestandsaufnahme der Gewässer im Landkreis Grafschaft Bentheim vorgenommen. Dabei wurde in der Bestandsanalyse festgestellt, dass die Durchgängigkeit der Vechte nicht gegeben ist sowie deren Gewässerstrukturen verbessert werden müssen. Ausgehend von diesen Defiziten ging man daran, einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten; dieser diente ebenfalls als Grundlage für die spätere Beantragung von EU-Fördermitteln. Anhand von verschiedenen Folien erläuterte Herr Jäckel sehr eindrucksvoll in verschiedenen Flussabschnitten den bisherigern Zustand der Vechte, die ermittelten Defizite und wie die derzeitigen Planungen und Überlegungen zur Verbesserung aussehen. Anhand von Beispielen zum Umbau der ehemaligen Kulturstaue wird deutlich, mit welchem Aufwand diese Maßnahmen vom Landkreis in Zusammenarbeit mit dem NLWKN ausgeführt wurden. Herr Jäckel betont dazu, dass oberste Priorität aller Arbeit die „hochwasserneutrale Ausführung“ von baulichen Maßnahmen habe. Auch verschiedene mit dem Unterhaltungsverband ausgeführte Maßnahmen an Gewässern II. Ordnung (Gräben) zeigen eindrucksvoll, wie der Schritt „zurück zur Natur“ angegangen wird. Breiten Raum in den Ausführungen von Herrn Jäckel nehmen die Vorstellung genehmigter Maßnahmen, künftiger Planungen weiterer Vorhaben und die damit verbundene Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie ein. Dazu werden anhand einer Vielzahl von Fotos Erläuterungen gemacht.
Die Mitglieder äußern sich lobend und erfreut über die vielfältigen Aktivitäten der Unteren Wasserbehörde. Es entwickelt sich eine lebhafte Aussprache zu den verschiedenen vorgestellten Vorhaben und deren Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Es wird vonseiten des Vorstandes betont, dass sich der BUND eine intensivere Zusammenarbeit in den Bereichen Vechte, Vechtealtarme sowie Vechteauen mit dem Ziel, unsere Fließ- und Stillgewässer mit ihren ökologischen Besonderheiten in die Landschaft einzubeziehen, mit der Unteren Wasserbehörde vorstellen kann.