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GN-Artikel vom 06.11.2010

Protest gegen neuen Torfabbau

Umweltverbände: „Klimaschutz und Erhalt der Bio-Vielfalt werden zur Farce“

Die Kreisverbände von BUND und NABU sind empört: Das Land Niedersachsen plant nach Darstellung der Umweltverbände eine 63 Hektar große Hochmoor-Grünlandfläche bei Georgsdorf zur Abtorfung freizugeben. Gefordert wird demnach die Abtorfung von der „Bundesvereinigung der Torf- und Humuswirtschaft“.

 

gn Georgsdorf. Die Fläche ist im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises als „Vorranggebiet für Natur und Landschaft“ festgelegt. In einer gemeinsamen Pressemitteilung der Umweltverbände heißt es: „Die Kreisgruppe des BUND und des NABU protestieren nachdrücklich und auf das Schärfste gegen die geplante Änderung des LROP und den vorgesehenen Torfabbau. Der Torfabbau wäre aus Gründen des Artenschutzes und des Klimaschutzes unverantwortlich.“
Der Landkreis Grafschaft Bentheim habe Mitte der 1990er-Jahre den etwa 300 Meter breiten Hochmoor-Grünlandbereich gesichert. Die jetzt zur Abtorfung vorgeschlagene Fläche sei im Raumordnungsprogramm als Kompensationsfläche für bestehende Torfabbauten festgesetzt. Eine Abtorfung widerspräche den Vereinbarungen mit den Naturschutzverbänden und den Zielen der Ausweisung als Vorranggebiet für Natur und Landschaft.
„Allein aus Gründen des Klimaschutzes ist der geplante Torfabbau nicht zu rechtfertigen. Moore erfüllen eine sehr wichtige Funktion als Kohlenstofflager. In Mooren lagert doppelt soviel Kohlenstoff wie in allen Wäldern der Erde. In einer 15 Zentimeter mächtigen Torfschicht in Deutschland befindet sich auf gleicher Fläche etwa soviel Kohlenstoff wie in einem 100-jährigen Wald. Geschädigte Moore gehören zu einer der größten Treibhausgas-Quellen,“ heißt es in der Pressemitteilung. Bei der Entwässerung und landwirtschaftlichen Nutzung von Mooren entstehe neben Kohlendioxid vor allem Lachgas (Distickstoffmonoxid). Dessen Klimawirksamkeit sei 298-mal höher als die von Kohlendioxid und zwölf Mal höher als die von Methan. Durch eine Zerstörung des Hochmoor-Grünlandblocks bei Georgsdorf würden in kürzester Zeit klimaschädliche Gase mobilisiert, die vorher in etwa 10000 Jahren festgelegt wurden.
Artenschutzrechtlich ist ein Torfabbau aus Sicht der Umweltverbände nicht vertretbar. Sie schreiben: „Im 300-Meter-Block brüten streng geschützte Wiesenvogelarten wie Großer Brachvogel, Kiebitz und Uferschnepfe. Die geplante Abtorfung wird zum vollständigen Verlust dieser Arten führen. Der Erhaltungszustand ihrer lokalen und regionalen Populationen wäre durch das Vorhaben stark gefährdet.“
Der geplante Torfabbau würde die Korridorfunktion des Hochmoorblocks unterbinden, meinen die Verbände. Der Hochmoor-Grünlandbereich verbinde die beiden Gebietsteile des EU-Vogelschutzgebietes „Dalum-Wietmarscher Moor und Georgsdorfer Moor“. Er grenze östlich unmittelbar an den Gebietsteil „Dalum-Wietmarscher Moor“ und westlich mittelbar an den Gebietsteil „Georgsdorfer Moor“. Der Hochmoorblock stelle daher eine unersetzbare Verbindungszone für gefährdete Tier- und Pflanzenarten zwischen den Wiedervernässungsbereichen und Lebensräumen des Vogelschutzgebietes dar. Die bereits getätigten Investitionen für die Wiedervernässung des angrenzenden Vogelschutzgebietes sowie für die naturschutzfachliche Entwicklung des Hochmoorblocks wären unwiederbringlich verloren.
Laut Umweltbericht zur geplanten Änderung des Landesprogramms zur Raumordnung würden durch das Vorhaben „voraussichtlich schwerwiegende Beeinträchtigungen von Flächen des niedersächsischen Moorschutzprogramms mit einer hohen naturschutzfachlichen Bedeutung sowie regionaler/nationaler Bedeutung für Brutvögel auftreten.“ Der Umweltbericht komme zu dem Fazit: „Großflächig sind erhebliche, teils schwerwiegende und nicht ausgleichbare belastende Umweltauswirkungen insbesondere für das Schutzgut Tiere/Pflanzen zu erwarten.“
Zudem ist der Hochmoor-Grünlandbereich nach Darstellung der Umweltvernbände der letzte verbliebene Hochmoorkörper in der Grafschaft. Er sei aufgrund seiner einmaligen Struktur nicht zu ersetzen. Außerdem weise die Fläche erhebliches archäologisches Potenzial auf. Der Abbau würde zu dessen vollständigem Verlust führen.
Fazit von BUND und NABU: „Es ist nicht nachvollziehbar und nicht hinnehmbar, dass der Forderung der Bundesvereinigung der Torf- und Humuswirtschaft entsprochen werden soll, die 63 Hektar große Hochmoorfläche abzutorfen. Der geplante Abbau des Hochmoor-Grünlandblocks bei Georgsdorf steht in krassem Widerspruch zu den erklärten Zielen der niedersächsischen Landesregierung zum Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt.“


 

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