Protest gegen neuen Torfabbau
Umweltverbände: „Klimaschutz und Erhalt der Bio-Vielfalt werden zur Farce“
Die Kreisverbände von BUND und NABU sind empört: Das Land Niedersachsen plant nach Darstellung der Umweltverbände eine 63 Hektar große Hochmoor-Grünlandfläche bei Georgsdorf zur Abtorfung freizugeben. Gefordert wird demnach die Abtorfung von der „Bundesvereinigung der Torf- und Humuswirtschaft“.
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Georgsdorf. Die Fläche ist im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) des
Landkreises als „Vorranggebiet für Natur und Landschaft“ festgelegt. In
einer gemeinsamen Pressemitteilung der Umweltverbände heißt es: „Die
Kreisgruppe des BUND und des NABU protestieren nachdrücklich und auf das
Schärfste gegen die geplante Änderung des LROP und den vorgesehenen
Torfabbau. Der Torfabbau wäre aus Gründen des Artenschutzes und des
Klimaschutzes unverantwortlich.“
Der Landkreis Grafschaft Bentheim habe Mitte der 1990er-Jahre den etwa
300 Meter breiten Hochmoor-Grünlandbereich gesichert. Die jetzt zur
Abtorfung vorgeschlagene Fläche sei im Raumordnungsprogramm als
Kompensationsfläche für bestehende Torfabbauten festgesetzt. Eine
Abtorfung widerspräche den Vereinbarungen mit den Naturschutzverbänden
und den Zielen der Ausweisung als Vorranggebiet für Natur und
Landschaft.
„Allein aus Gründen des Klimaschutzes ist der geplante Torfabbau nicht
zu rechtfertigen. Moore erfüllen eine sehr wichtige Funktion als
Kohlenstofflager. In Mooren lagert doppelt soviel Kohlenstoff wie in
allen Wäldern der Erde. In einer 15 Zentimeter mächtigen Torfschicht in
Deutschland befindet sich auf gleicher Fläche etwa soviel Kohlenstoff
wie in einem 100-jährigen Wald. Geschädigte Moore gehören zu einer der
größten Treibhausgas-Quellen,“ heißt es in der Pressemitteilung. Bei der
Entwässerung und landwirtschaftlichen Nutzung von Mooren entstehe neben
Kohlendioxid vor allem Lachgas (Distickstoffmonoxid). Dessen
Klimawirksamkeit sei 298-mal höher als die von Kohlendioxid und zwölf
Mal höher als die von Methan. Durch eine Zerstörung des
Hochmoor-Grünlandblocks bei Georgsdorf würden in kürzester Zeit
klimaschädliche Gase mobilisiert, die vorher in etwa 10000 Jahren
festgelegt wurden.
Artenschutzrechtlich ist ein Torfabbau aus Sicht der Umweltverbände
nicht vertretbar. Sie schreiben: „Im 300-Meter-Block brüten streng
geschützte Wiesenvogelarten wie Großer Brachvogel, Kiebitz und
Uferschnepfe. Die geplante Abtorfung wird zum vollständigen Verlust
dieser Arten führen. Der Erhaltungszustand ihrer lokalen und regionalen
Populationen wäre durch das Vorhaben stark gefährdet.“
Der geplante Torfabbau würde die Korridorfunktion des Hochmoorblocks
unterbinden, meinen die Verbände. Der Hochmoor-Grünlandbereich verbinde
die beiden Gebietsteile des EU-Vogelschutzgebietes „Dalum-Wietmarscher
Moor und Georgsdorfer Moor“. Er grenze östlich unmittelbar an den
Gebietsteil „Dalum-Wietmarscher Moor“ und westlich mittelbar an den
Gebietsteil „Georgsdorfer Moor“. Der Hochmoorblock stelle daher eine
unersetzbare Verbindungszone für gefährdete Tier- und Pflanzenarten
zwischen den Wiedervernässungsbereichen und Lebensräumen des
Vogelschutzgebietes dar. Die bereits getätigten Investitionen für die
Wiedervernässung des angrenzenden Vogelschutzgebietes sowie für die
naturschutzfachliche Entwicklung des Hochmoorblocks wären
unwiederbringlich verloren.
Laut Umweltbericht zur geplanten Änderung des Landesprogramms zur
Raumordnung würden durch das Vorhaben „voraussichtlich schwerwiegende
Beeinträchtigungen von Flächen des niedersächsischen Moorschutzprogramms
mit einer hohen naturschutzfachlichen Bedeutung sowie
regionaler/nationaler Bedeutung für Brutvögel auftreten.“ Der
Umweltbericht komme zu dem Fazit: „Großflächig sind erhebliche, teils
schwerwiegende und nicht ausgleichbare belastende Umweltauswirkungen
insbesondere für das Schutzgut Tiere/Pflanzen zu erwarten.“
Zudem ist der Hochmoor-Grünlandbereich nach Darstellung der
Umweltvernbände der letzte verbliebene Hochmoorkörper in der Grafschaft.
Er sei aufgrund seiner einmaligen Struktur nicht zu ersetzen. Außerdem
weise die Fläche erhebliches archäologisches Potenzial auf. Der Abbau
würde zu dessen vollständigem Verlust führen.
Fazit von BUND und NABU: „Es ist nicht nachvollziehbar und nicht
hinnehmbar, dass der Forderung der Bundesvereinigung der Torf- und
Humuswirtschaft entsprochen werden soll, die 63 Hektar große
Hochmoorfläche abzutorfen. Der geplante Abbau des
Hochmoor-Grünlandblocks bei Georgsdorf steht in krassem Widerspruch zu
den erklärten Zielen der niedersächsischen Landesregierung zum
Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt.“
