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GN-Artikel vom 14.03.2008

BUND sieht Kanalvision kritisch (im Rahmen der JHV)

Umweltschützern reichen Daten über mögliche Folgen der Eingriffe nicht aus

Die Kreisgruppe des BUND klagt über unzureichende Informationen über Auswirkungen, die die Umsetzung der Kanalvision auf die Tier- und Pflanzenwelt des Kanals zwischen Hanekenfähr und Nordhorn haben wird. Sollte die Planung vorangetrieben werden, müssten

Die Erfassung von Flora und Fauna, die im Rahmen der Machbarkeitsstudie erfolgt war, habe sich nur auf eine Woche beschränkt und sei nur an geplanten Eingriffsstellen vorgenommen worden, kritisierte BUND-Vorsitzender Walter Oppel. Es sei jedoch unumgänglich, mögliche Auswirkungen von Baumaßnahmen am und im Gewässer sowie die Belastungen durch den Boots- und Schiffsverkehr zu untersuchen.

Neben der Kanalvision waren etliche andere Aktivitäten der BUND-Kreisgruppe Thema der Versammlung. So hat die Naturschutzorganisation ihre Vorstellungen zur Optimierung des Fließgewässernetzes der Grafschaft in einem Maßnahmenkatalog zusammengefasst. Im Zentrum dieser Verbesserungsvorschläge steht die Vechte.

Positiv bewertete der Vorstand die erneute Aufnahme des Landkreises Grafschaft Bentheim in das europäische Leader-Programm. Zwei Millionen Euro an Fördermitteln sollen zwischen 2007 und 2013 für die Weiterentwicklung des ländlichen Raumes in die Grafschaft fließen, wenn der Landkreis die entsprechenden Projekte kofinanziert. Der BUND ist Mitglied der neu gegründeten „Lokalen Arbeitsgruppe", die über eingereichte Projektanträge entscheidet und die Projekte in ihrer Umsetzung begleitet.

Kritisch sieht der BUND hingegen den geplanten Freizeitpark in Itterbeck. Aus Sicht des BUND stimmt das Vorhaben nicht mit den Zielen und Grundsätzen der Raumordnung überein. Im Raumordnungsprogramm des Landkreises heiße es, durch die Realisierung von Fremdenverkehrs-, Erholungs- und Freizeiteinrichtungen dürfe der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen nicht gefährdet werden. Dieses Ziel werde mit den vorgelegten Planungen nicht erfüllt, so der BUND. Zahlreiche Flächen des Gebietes seien nach dem Niedersächsischen Naturschutzgesetz als schutzwürdig einzustufen. Da die Pflanzen- und Tierarten im Planungsgebiet aufgrund eines zu späten Untersuchungsbeginns nur unvollständig erfasst worden seien, seien auch die ökologischen Risiken deutlich zu niedrig eingeschätzt worden.

Große Bedenken hat der BUND auch gegen den geplanten großflächigen Quarzsandabbau durch die Firma BBE im Bereich Laar. Hier führt der Umweltschutzverband schwerwiegende Mängel in der Abarbeitung der Eingriffsregelung und eine „völlig unzureichende Berücksichtigung des europäischen Naturschutzrechts" an. Das Gebiet um den Laarschen Bruch sei mit seinem Aufkommen an Zwergschwänen und als Brutgebiet für den Großen Brachvogel ein so genanntes „faktisches Vogelschutzgebiet".

Seltene und gefährdete Vogelarten haben BUND-Mitstreiter auch im Bereich der Frenswegener Klärteiche ausgemacht. Die Teichanlagen müssten uneingeschränkt erhalten werden, fordert die BUND-Kreisgruppe. Sie seien zu einem überregional bekannten „Trittstein" für seltene Vogelarten auf ihrem Weg in die Winter- oder Sommerquartiere geworden.

Neben beobachtenden und planerisch begleitenden Aktivitäten haben sich Mitglieder des BUND und interessierte Jugendliche auch an etlichen Pflegemaßnahmen in der freien Natur beteiligt. Unter anderem wurde in diesem Frühjahr, zusammen mit Mitarbeitern des Schüttorfer Bauhofes, der Obstbaumschnitt auf der Streuobstwiese in Schüttorf durchgeführt. Weitere Pflegemaßnahmen fanden in Quendorf und im Ostervenn statt. Jetzt sei es höchste Zeit, so Vorsitzender Oppel, Maßnahmen zur Rettung des Laubfrosches zu ergreifen. Kartierungen im vergangenen Jahr hätten gezeigt, dass die Population im Sieringhoek kurz vor dem Erlöschen stehe. Kurzfristig wurde ein Konzept für ein Sofortmaßnahmenprogramm aufgestellt.

Für die kommenden drei Jahre beabsichtigt die BUND-Kreisgruppe begonnene Maßnahmen fortzusetzen. Ein Hauptanliegen ist die Einbeziehung der Grafschafter Still- und Fließgewässer mit ihren ökologischen Besonderheiten in die Landschaft. In diesem Rahmen sollen Landwirte mit Flächen im Vechtetal dafür gewonnen werden, noch beackerte Flächen zu extensivieren.

Darüber hinaus will sich der BUND dafür einsetzen, dass der fortschreitende Land- und Landschaftsverbrauch in der Grafschaft eingeschränkt wird. Die Realisierung der Kanalvision wird seitens des BUND besonders aufmerksam beobachtet. Die Wiederschiffbarmachung müsse auf ein akzeptables Minimum reduziert werden. Dazu gehöre es, sinnvolle Kompensationsmaßnahmen umzusetzen und Angebote für Touristen außerhalb ökologisch wertvoller Gebiete zu verwirklichen. Der BUND werde im Hinblick auf die Kanalvision mit seinen niederländischen Nachbarvereinen zusammenarbeiten, kündigte der Vorstand an.

 

Die Vorstandswahlen der Kreisgruppe führten zu folgendem Ergebnis: Vorsitzender bleibt Walter Oppel, stellvertretende Vorsitzende sind Udo Krause und Stefan Höllmann, Schatzmeister und Schriftführer ist Rudolf Nibbrig, Ehrenvorsitzender Jürgen von Brockhausen. Zum Beirat gehören Hartmut Credé, Gerhard Weinberg, Friedbert Troll, Reiner Steinkamp, Johann Veldmann, Dr. Klaus Kaplan, Ralf Raudzus, Hermann Segchelhorn, Albert Stegemann und Jan Beerlink; beratende Mitglieder sind Harald Konrad-Hammersen und Lambert Hürink.

 


 

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